Entpacken

Und überall stehen Kisten von Obi in Signalorange. Sie riechen ein wenig nach Keller und Zigarettenrauch. Wir haben ja geraucht bevor wir sie vor fünf Monaten eingelagert haben, jetzt rauchen wir beide nicht mehr und ein bisschen ist es deswegen so, als würde man die Sachen fremder Menschen auspacken. Man denkt sich auch: Was ist in diesen Kisten, die ich monatelang nicht geöffnet habe und sehr gut ohne sie leben konnte? Brauche ich die alle? Ist das meins? Die Fragen beantworten sich Kiste für Kiste. Fotos, Bettwäsche, Buntstifte, meine Lieblingstassen und Unmengen Bücher freuen sich über die Freiheit und neue Plätze im neuen Zuhause. Man weiß sofort, was wo stehen soll, alles wirklich Überflüssige hatte man zum Glück beim Einpacken schon entsorgt und jetzt schaut man sich um und dabei zu, wie das Zuhause in der Fremde wächst und sich ordnet. Man kann den Luxus nicht fassen, mit den Händen über Buchrücken zu streichen, die Waschmaschine nebenan surren zu hören oder quer durch die Wohnung zu laufen. So viel Platz, mehr als ein Zimmer zu zweit, keine Mitbewohner, alles unser Terrain. Nicht mehr aus dem Koffer leben, nicht mehr von fremden Tellern essen, keine Türen mehr schließen. Es ist alles da, was man braucht und noch viel mehr. Und das braucht man genauso. Hallo Schreibtisch, hallo Nähmaschine, hallo Wii Balance Board. Durchatmen und wieder ein Nest haben nach einigen Monaten. Dann will man weiter, überlegt, wo’s jetzt wohl hingeht, was man einpackt und wen man trifft. Und dann, ein wenig erschüttert, merkt man, dass jetzt erstmal hiergeblieben wird, am Ziel des vorläufigen Plans. Ein kleines Loch und dann eine weiche Decke, meine Decke. Was fehlt ist jetzt nur noch ein Hund.