ALLTAG

Äpfel statt Zigaretten

Es ist weder Neujahr noch ein anderes unwichtiges Datum, aber ab heute steht es fest: die letzt Zigarette ist geraucht, da kommt keine mehr nach. Die Gründe dafür sind nicht so schwer rauszufinden und der Muddi zuliebe kann ich ja auch sagen: die jahrelange Quängelei hat endlich gefruchtet (auch wenn das nur ein bisschen stimmt und sie nicht zu neuen Quängeleien anregen soll). Es ist einfach mal gut jetzt. Hätte ich noch meinen alten Job, wäre es undenkbar, nicht einmal die Stunde mit den Kollegen in den gelben Raum am Ende des Flures zu gehen und zu pausieren. Würde ich noch in der alten Wohnung wohnen, wäre drinnen rauchen erlaubt und ich müsste nicht immer vor die Tür dazu. Wäre ich nicht dauernd krank in letzter Zeit, würde ich mir denken, die paar Fluppen können so schlimm nicht sein. Aber ich bin weg und hier, dauernd erkältet und schlimmer, das muss keinen Zusammenhang haben, aber ich mag nicht mehr. So richtig bewusst aufgehört habe ich noch nie, aber ich weiß, dass es klappt und fühle mich schon jetzt, eine Stunde nach der finalen Fluppe, besser. Und erleichtert. Damit ich trotzdem kleine Pausen machen kann und dabei etwas in der Hand halte, startet zeitgleich das Projekt “Äpfel statt Zigaretten”. Das hat, wenn alles klappt, doppelten Effekt und ich kann weiterhin in regelmäßigen Abständen vor dem Haus auf der Treppe sitzen und Leute beobachten.

// Comments Off on Äpfel statt Zigaretten

Good Veins!

Das war ja klar. Nach anderthalb von drei Monaten sitze ich im Wartezimmer des Radiologischen Zentrums in New York. Ich war wegen einer Angina beim Arzt, bekam Antibiotika und dazu die Überweisung hierher, denn das was ich an meinem Hals für einen Lymphknoten hielt, war keiner. Da vorn gebe es gar keine Lymphen, da sei die Schilddrüse, das sei vielleicht etwas “Ernsteres”. Das ist ja genau das, was man gerne von seinem Arzt hört, tausende Kilometer von daheim und zwar krankenversichert, aber nur mit Vorkasse. Um mich aufzumuntern lobte die Schwester beim Blutabnehmen meine schönen und gut zu treffenden Venen, aber das wurde mir schon oft gesagt. Einige Tage später meldete sich Dr. Chueyund warf mir am Telefon englische Fachtermini um die Ohren. Ich verstand “Sonogram” und “hyperactive” und reimte mir den Rest mit der Hilfe von Dr. Google zusammen. Zuerst klang es okay, nämlich nach Schilddrüsenüberfunktion. Da gibt es Pillen, in einigen Fällen sind aber auch OPs nötig. Aber auch ein Tumor könne sich da bilden, gern bei Frauen zwischen 20 und 40. Ich weiß nicht, wie Google-Hypochonder das aushalten, ich verdränge lieber und denke weiter klinisch positiv. Nun sitze ich also hier, zusammen mit etwa 20 anderen Patienten. Es dauere trotzdem nur 20 Minuten, sagt die Schwester. Die 300 Dollar für die Untersuchung habe ich im Vorraus bezahlt.

Nach zwei Stunden werde ich in ein kleines Zimmer gerufen. Ich solle mich obenrum freimachen und diesen blauen Kittel anziehen, sagt die Ultraschallfachkraft. Auf einem Schild am Spiegel steht, man solle sie bitte gar nicht erst nach den Ergebnissen fragen, das mache nur der behandelnde Arzt. Sie schmiert mir Glibber auf den Hals und geht mit einem Gerät drüber, das ich aus diversen Filmen kenne. Dort wird es allerdings in der Bauchregion und aus freudigerem Anlass verwendet. Ich blinzle immer mal rüber auf den Bildschirm und sehe eine runde Stelle, die grün, rot und blau leuchtet – der Knubbel. Als genug Bilder aufgenommen sind, frage ich trotz Warnung nach, was das denn nun sei an meinem Hals. “Ein Knoten”, sagt die Ultraschallfachkraft, mehr könne sie mir leider nicht mitteilen. Der Doktor werde sich bei mir melden, den Glibber könne ich mir da drüben wieder wegmachen, auf Wiedersehen. Ich laufe durch die New Yorker Sonne und habe ein bisschen Angst.

Eine Woche später hat sich Dr. Chuey noch nicht gemeldet. Ich deute das mal als gutes Zeichen, rufe aber trotzdem in der Praxis an. Er sagt, er wisse leider immer noch nicht mehr, als dass es ein Knoten sei. “Wir müssen mehr Tests machen.” Himmelherrgott, denke ich und schreibe mir auf, dass ich jetzt zum Schilddrüsenscan gehen soll, dann würden wir weitersehen. Auf die Frage, ob es nicht noch ein paar Wochen warten kann, dann sei ich wieder zuhause, antwortet er: “Lieber nicht. Wir sollten herausfinden, was das ist.” Ärzte aller Länder sind sich scheinbar einig, das Panikmachen eine gute Beigabe der Behandlung ist. Währenddessen kam ein Schreiben von der Auslandskrankenversicherung, die auf meine Frage der Kostenübernahme antwortet: “Wir zahlen für alles, was Sie vorher noch nicht hatten.” Ja gut, dann wird eben weitergetestet. Nächste Woche Donnerstag schlucke ich eine radioaktive Pille, am Freitag wird die Schilddrüse dann gescannt. Zum Glück habe ich letztens erst mit jemandem gesprochen, der genau das auch machen musste. Er bekam dann Medizin und ist jetzt wieder gesund. Ich freu mich schon.

(tbc)

// Comments Off on Good Veins!

Urbane Faulheit

Es ist das Second Stop Cafe in Williamsburg, Brooklyn und ich bin zum Kaffee mit Suse verabredet. Entspannen ist allerdings nicht ganz einfach, denn überall wird gearbeitet bzw. so getan. Man kennt das von zuhause, aber in diesem Ausmaß wirkt es trotzdem ein wenig exotisch. Sogar Suse hat ihren Laptop dabei. Sie arbeitet, ich versuche mit dem iPhone etwas mitzumachen, zwischendrin quatschen wir. Das ist erstaunlicherweise total entspannend. Aber auch weil ich dann statt zu arbeiten im New York Times-Magazin lese, einen Artikel über Schokoladenkuchen.

// Comments Off on Urbane Faulheit

Warten auf Neko

Was tut man, wenn das Geld am Monatsende knapp wird? Auch ohne entsprechenden Ratgeber (es gibt z.Z. so viele Bücher über billiges Leben!) ist schnell klar: no Neko Case-Conzert for me. Stattdessen gönne ich mir die kostenfreie Veranstaltung im großen Buchladen am Union Square. Dort gibt es regelmäßig Gig-Lesungen, sie nennen es “Authors & Artists”: Jeweils ein Vertreter der jeweiligen Berufsgruppe findet sich für eine Stunde in der obersten Etage dieses Buchladens ein, redet mit einer Moderatorin über die eigene Arbeit, fragt auch mal den Anderen und zwischendrin liest der Autor und musiziert der Musiker. Ben Folds war schon da, zusammen mit Nick Hornby und auch Nick Zinners von den Yeah Yeah Yeahs, der ebenfalls mit Freunden ein Buch geschrieben hatte. Die Autoren und Künstler müssen sich allerdings nicht unbedingt kennen, so wie im aktuellen Fall Case/Showalter. Diese Kombination ist vor allem auf Kurzweiligkeit ausgelegt, das einzig Langweilige ist das Warten vorab, das Besetzen der guten Plätze im sich schnell füllenden Obergeschoss. Anders als bei Konzerten sitzt man dabei und ich bin mittlerweile in einem Alter, in dem ich das sehr zu schätzen weiß. Eine Angestellte des Buchladens erklärt dann die Regeln: sitzen bleiben, schön klatschen, keine Blitze – denn das Ganze wird später als Video ins Netz gestellt. Das Interview-Lesungs-Konzert scheint auf den ersten Blick genauso strukturiert abzulaufen, die Moderatorin hat einen Notenständer für ihre Fragen vor sich aufgebaut, wird dann aber zum Glück vom zum Scherzen berufenen Comedian Michael Showalter aus dem Konzept gebracht. Der war wohl mal bei MTV, hat in einigen Filmen mitgespielt und erzählt jetzt, wie er das obligatorische Buch obendrauf packte. Er wirkt fast unsympathisch, ist aber ganz lustig, genau wie die Stellen, die er aus seinem Buch “Mr. Funnypants” vorliest. Neko Case sitzt neben diesem Spaßvogel etwas zurückhaltend auf ihrem Stuhl, blinzelt in die Scheinwerfer und variiert ihre Frisur von offen zu Pferdeschwanz zu Dutt und zurück im Minutentakt. Dann darf sie auch ein bisschen erzählen, leider nur im engen Rahmen der Fragen – wie entsteht ein Song, wie lange dauert das, was inspiriert dich – blablabla. Man möchte danach noch ein Bier mit ihr trinken gehen, um ihr die viel wichtigeren Fragen zu stellen, denn Zuschauereinwürfe sind leider nicht erlaubt. Sie spielt dann vier Songs, fast ein halbes Konzert rechne ich mir aus, und wenn sie nicht vorher schüchtern sagen würde, sie könne das mit den hohen und tiefen Tönen live nicht so gut, wäre es perfekt, trotz der ekelhaften Helligkeit. Wow. Die Stunde ist dann auch schon um, man könne sich Bücher und CDs signieren lassen, ruft die Organisationsdame, dafür bitte sitzen bleiben, die Reihen würden dann nacheinander aufgerufen zum Anstellen. Ich denke kurz darüber nach, meinen iPod signieren zu lassen, überlege es mir aber anders und gehe schnurstracks vor die Tür, um eine zu rauchen. Für das kleine Bisschen Gefühl von Rock’n’Roll.

// Comments Off on Warten auf Neko

Happy Hour

Yoga fiel letzte Woche aus. Einmal mit Suse verabredet, fuhr ich trotzdem nach Manhattan. Es war früher Abend, sie hatte zwei Kolleginnen dabei und die Frage war: Essen gehen oder “Happy Hour”? Letzteres kenne ich nur von schlecht laufenden Cocktailbars, es gibt zu den unmöglichsten Zeiten zwei Getränke zum Preis von einem, oder so. Ich hatte ein bisschen Angst, aber nur kurz, dann standen wir im Vig 27, einer schwulen Bar gleich an der Park Avenue. Ich war nicht arbeiten wie die anderen Mädels und trotzdem sofort entspannt wie nach einem harten Tag. Ganz klar brauchte ich einen Drink. Ein paar Cocktails waren billiger als sonst, soviel zur Happy Hour, ich nahm irgendwas mit Gurke. Die Feierabendmädels werteten den Arbeitstag aus und ich war gleichzeitig wehmütig und ein wenig froh, da nicht mitreden zu können. Solche Gespräche habe ich nun wirklich genug geführt. Gut erzogen wie sie sind, wechselten die Drei bald das Thema. Erst ging’s um mich, dann um die verflixte Dategeschichte einer Anwesenden, später um Trash-TV, alles schon viel eher meine Themen. Ein bisschen war’s wie im Film – vier Mädels mit Cocktails reden und lachen in einer Bar, deren Wände mit rosa Perlen behangen sind. Aber es war gut. Sehr. Genau das, was man braucht in einer fremden Stadt. Später kam eine weitere Bekannte von Suse dazu, wir waren gerade bei den “Real Housewives of Beverly Hills” (beste Realityshow der Welt) und ich sollte sie fix auf den neuesten Stand bringen. Ich teilte mein umfangreiches Wissen sehr gern und dann wollte sie wissen, mit welchem der anwesenden Mädels ich denn zusammenarbeiten würde. Der Abend war bis dahin schon gut und wurde besser, einfach weil jemand mein – zugegeben nicht immer astreines – Englisch nicht gleich enttarnt hatte. Manchmal ist es so einfach, mich glücklich zu machen. In exakt dieser Kombination in exakt dieser Bar möchte noch mehr Drinks trinken.

// Comments Off on Happy Hour

Querverweis

Na, das fängt doch ganz gut an mit dem freien Arbeiten. Heute ist auf jetzt.de mein Interview mit Josh Johnson erschienen, er tourt durch die USA, macht Fotos nur mit dem iPhone und trifft unterwegs ganz viele Leute, die er bisher nur aus dem Netz kennt. Ich finde, das sollte man öfter machen und bin dann in New York dabei.

// Comments Off on Querverweis
Plugin from the creators ofBrindes Personalizados :: More at PlulzWordpress Plugins