A Visual Life

Die Sache mit den meisten Mode- oder Street Style-Blogs ist die, dass ich meistens laut schreien möchte beim Durchklicken. Menschen, die sich unglaublich toll finden, stehen da in ihren schrecklichen Klamotten und gucken arrogant in die Kamera, als hätten sie seit Jahren nur für diesen Moment geübt. Man stellt sie sich vor, wie sie zuhause vorm Spiegel stehen, die Füße ineinanderdrehen und verschiedene Blicke einstudieren. Diese Bilder und diese Art der Künstlichkeit machen mich so überhaupt nicht an.
Und dann ist da The Sartorialist, ein Blog mit Fotos von gut gekleideten Menschen. Und “gut” bedeutet hier nicht, um jeden Preis aufzufallen, sondern exzellenten Geschmack so zu tragen, dass nichts aufgesetzt und unnatürlich wirkt. In diesem kurzen Portrait erzählt Scott Schumann, dass er am Tag nur wenige Motive sieht, die er knipsen möchte. Wie seine Augen auf der Suche nach ihnen hin- und herflitzen, ist nur einer der beeindruckenden Aspekte des Films.

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Dekade

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Vor zehn Jahren war ich 18, noch ohne Abitur und Führerschein. Ich wusste schon, was ich ab Herbst studieren würde und ich konnte es kaum erwarten, zuhause auszuziehen und das richtige Leben zu beginnen. Es fühlte sich damals alles an wie ein Berg, der überwunden werden musste, dahinter schien die Sonne noch heller, funkelten die Sterne noch mehr als damals.
Natürlich war dann alles nicht so einfach, wie es sich die kleine Julie vorgestellt hatte. Die neue Stadt war am Anfang eher deprimierend als inspirierend, aus dem Studium musste sie sich selber das Passende basteln und so richtig “richtig” hat sich alles nicht gleich angefühlt. Hat es auch die Jahre danach manchmal nicht, aber die Zweifel und die Unzufriedenheit haben mich rückblickend betrachtet immer sehr gut vorangetrieben. Die Philosophien, die ich rauchend und trinkend an diversen Küchentischen durchgenudelt habe, sitzen heute tiefer als Luhmann oder LaRoche. Der Abschluss ist trotzdem geschafft und nebenbei hatte ich die wirklich beste Zeit, die ich mir nur wünschen konnte. Ich bin um die Welt gereist (wenn auch noch nicht genug), habe großartige Menschen zum Freund gehabt (die besten davon sind heute noch da), war auf gefühlten tausend Konzerten und Parties und habe einige davon selbst gerockt. Ich habe viele wunderbare und zum Glück nur wenige schreckliche Interviews geführt, viele Texte geschrieben, noch mehr in Mikrophone geredet, ich habe mich ausprobiert und bin damit noch lange nicht fertig. Ich hatte oft den Gedanken “Das, genau das ist Glück” und manchmal dachte ich auch, dass das hier alles keinen Sinn hat, dass ich es nicht hinbekomme so wie ich es mir vorstelle, dieses Leben. Einmal in dieser Dekade hat es mir den Boden unter den Füßen weggezogen, einfach so und sofort wurde ich damit beauftragt diesen Boden neu zu bauen. Ich habe es versucht und dann aufgehört, weil es nicht meine Aufgabe ist, so gerne ich auch wollen würde. Am Ende kam Vieles anders und trotzdem richtig und quasi als Finale dieser Dekade ist es endlich da, das ganz große Glück, der Eine, für immer, ganz sicher.
Jetzt kann es weiter gehen, “Alle zehn Jahre etwas Neues” hat jemand gesagt. Der nächste Berg ist fast geschafft und ich hoffe da drüben scheint die Sonne genauso hell wie hier, funkeln die Sterne über mir genau so lustig. Vielleicht aber in einem anderen Licht, hellblau oder so.

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“New York ist wie Rostock”

Da spricht man immer von “Karriere” und dann sitzt man da drei Jahre später aufm Traumjob und darf ihn NICHT interviewen. Der Kollege hat das allerdings super gemacht (nachzuhören hier) und – Vorteil – er hat ihn dabei wahrscheinlich nicht so angehimmelt, wie ich es getan hätte. Mir bleibt da nur den alten Hasen raushängen zu lassen, “ich hab den ja damals schon interviewt, als er noch nicht so groß war”. Keine Angst, ich merk’s selbst. Das Interview ist also von 2010, das war noch bei Energy, da wurden noch Fotos gemacht und die richtig wichtigen Fragen gestellt –  zum Beispiel, warum er so ungern telefoniert. Ach, Erinnerungen, ich kann sie mir selbst leider nicht komplett anhören, meine Moderationsskills sind einfach zu schlecht, damals. Aber Marteria redet ja auch viel, das rechtfertigt dann auch wieder das Vorkramen aus dem Archiv. Viel Spaß!

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Das ist mal ein Lebenslauf, bei dem die Interviewvorbereitung leichtfällt! Marteria aka Marten Laciny ist vor 28 Jahren in Rostock geboren und schaffte es als Teenager bis in die U17-Nationalmannschaft. Zu Besuch in New York City entdeckte ihn in diesem zarten Alter ein Modelscout, und so unterbrach Marten die Fußballkarriere um unter anderem für Hugo Boss zu arbeiten.
Und jetzt? Steht Marteria vor mir und erzählt von seinem Debütalbum “Zum Glück in die Zukunft”. Hatte Dendemann vor ein paar Wochen noch gesagt, der deutsche Hip Hop sei tot, so meint Marteria jetzt, dass man ihn mit ein paar Stromschlägen doch auch wiederbeleben könnte. Nicht umsonst wird er die “Hoffnung des deutschen Hip Hop” genannt, in einem Atemzug und Freundeskreis mit Jan Delay, Peter Fox und Miss Platnum. Wir reden über die Koikarpfenzucht, den Unterschied zwischen New York und Rostock und das Meer. Nicht im Ton: die strahlend blauen Augen dieses Ex-Models, aber achten Sie auf die unglaublich tiefe Stimme, die innendrin ein wohliges Brummen auslöst!

[audio:http://www.energy.de/fileadmin/podcast/lokal/sachsen/directorscut/MARTERIA_PODCAST.mp3|titles= Interview mit Marteria]


Die Ironie sieht man diesem Foto leider nicht an, aber was soll’s!

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Ich werde gehen

Noch 42 Tage und ich bin weg. Weg aus Leipzig, weg aus dem Job, weg in ein anderes Land, einige Monate später dann wenigstens in eine andere Stadt. Es ist in erster Linie aufregend und nur manchmal, ganz selten macht es mir Angst. Die Menschen um mich herum sehen es ähnlich und fragen trotzdem immer wieder: Warum machst du das? Warum kündigst du deinen festen Job für die Ungewissheit? Warum diese und jene Stadt, warum jetzt? – Und ich antworte: Weil man mit 28 noch nicht stillstehen darf, weil ich raus will nach zehn Jahren hier, obwohl es mir immer sehr gut gefallen hat, versteht mich nicht falsch. Weil der Alltag mich auffrisst und kaputt macht, weil ich meine Tage wenigstens für eine Weile mit Dingen verbringen möchte, die mich glücklich machen. Weil ich mir sicher bin, dass sich schon was finden wird dort und weil ich jemanden an meiner Seite habe, mit dem sowieso nicht viel schiefgehen kann.
Ich habe seit fast zwei Jahren keinen Urlaub gemacht, habe viele Wochenenden und viele Stunden gearbeitet. Ich bin nicht undankbar, aber ich will das nicht mehr. Nicht hier, nicht dafür. Ich will was Eigenes, oder ein verdammt gutes Gefühl bei was Anderem. Wenn ich etwas gelernt habe im Leben, dann dass es sich nicht gerne planen lässt und lieber macht, was es will, wenn man es lässt. Mach’ bitte, mach’ es gut und der Rest ist dann auch schon egal. Ich bin euphorisch und krieche die letzten Meter bis zum Ziel, ich verkaufe viel Kram und werde immer leichter. Ich weiß, dass ich das gut kann, mich in fremder Umgebung zuhause fühlen – Hauptsache, die Zahnbürste hat ihren Platz und es gibt genug zum Gutfinden da. ich werde Einiges und Einige vermissen, aber zurückkommen geht immer und es sind schon so viele weg, da macht es nun auch keinen Unterschied, von wo aus ich anrufe oder mich bei Facebook einlogge. Ich werde neues Terrain erobern, gleich zweimal hintereinander und wenn es sich gut erobern lässt, bleibe ich da, in der anderen Stadt im Süden.

So wird es sein. Und wenn ich denke, dass es jetzt aber mal bitte losgehen könnte, höre ich dieses Lied. Der Text tut nicht viel zur Sache, aber die dezente Euphorie passt perfekt. Bald geht’s los!

Schöne Geschenke

Nicht viele Menschen machen genau der richtigen Person genau die richtigen Geschenke, nämlich indem sie sich merken, wann diese Person “Das ist schön!” gerufen hat. Einige wenige Menschen können das aber richtig gut, der beste Mann der Welt zum Beispiel.

Fröhlichen Nikikraus!

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