Too young!

Das saßen wir also im Highline Ballroom, einem Konzertsaal in sauberem Industriechic im Meatpacking District. Ja, wir saßen, an einem Tisch, mit Kerze drauf und Besteck. Wenig später kamen Getränke und Burger dazu, Kobe-Burger wohlgemerkt. Um uns herum saßen, mit Verlaub, viele alte Männer und einige alte Frauen, die meisten um die 50. Um Punkt 20 Uhr stand Caitlin Rose auf der Bühne und fragte wie das Essen sei. Sie spielte eine halbe Stunde, die Kellnerin quatschte uns immer mal ins Konzert, dann ging das Licht an. Ich sah ein paar jüngere Menschen an den Rändern des Zuschauerraumes stehen, es waren diejenigen ohne Tisch und ohne Essen, sie waren deutlich jünger als die sitzenden und sie standen den Bedienungen im Weg herum. Ron Sexsmith spielte, die alten Männer nahmen stundenlanges Material mit ihren iPhones auf und bestellten mehr Wein. Der Mann und ich saßen – etwas, das ich mir schon bei vielen Konzerten gewünscht hatte, wir sahen und hörten gut, beide Künstler waren toll und trotzdem dachte ich die ganze Zeit: Ich bin zu jung für den Scheiss!

“Nothing to be worried about”

Fortsetzung (Teil 1 hier)

Wieder saß ich im Wartezimmer der Radiologie, wieder lief “The View” im Fernsehen und wieder war mir etwas mulmig. Die Schwestern lachten über Whoopie Goldbergs Kommentare, surrten zeitgleich meine Kreditkarte durch und verzogen keine Miene als ich die Rechnung über 680 Dollar unterschrieb. “Das bekomme ich ja zum Glück alles zurück”, beruhigte ich mich laut selbst. Es geht hier natürlich nicht ums Geld, aber zurück in Deutschland werde ich es sehr zu schätzen wissen, beim Arztbesuch nicht darüber nachdenken zu müssen. Ich erkaufte mir also zwei Termine in der Radiologie, der erste dauerte etwa zwei Minuten, ich bekam eine Pille und ein Glas Wasser. Die Pille war leicht radioaktiv, nicht stärker als der Prozess des Röntgens. Das Ganze hatte einen Tag Zeit es sich in meinem Körper gemütlich zu machen, dann kam Termin 2. Ich lag eine knappe halbe Stunde unter einem Scan, ganz gerade und ganz still während die Kamera Bilder von meiner Schilddrüse und dem komischen Knubbel darunter machte. Anders als beim letzten Mal durfte ich direkt danach einen Arzt sehen und er sagte den besten Satz der Welt: “Es ist nichts, worüber Sie sich Sorgen machen sollten!”. Puh, yay, große Freude. Es folgte eine kleine Konferenzschalte mit Dr. Chuey und beide Ärzte waren sich einig, dass mir das fehlte, was Dr. Chuey schon nach dem Blutbild vermutete: Ich habe eine leichte Schilddrüsenüberfunktion. Die äußert sich bei mir eben in diesem Knubbel am Hals und erhöhter Hormonkonzentration im Blut. Normal sind desweiteren Hitzewallungen, Stimmungsschwankungen, Appetitlosigkeit und Gewichtsverlust. Das mit den Stimmungen beobachtet der Mann bei mir auch im gesunden Zustand täglich, alles andere kann ich nicht wirklich bestätigen. Auf jeden Fall ist mein Körper gerade leicht hyperaktiv, bekommt ein bisschen Medizin und gut ist’s.

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Äpfel statt Zigaretten

Es ist weder Neujahr noch ein anderes unwichtiges Datum, aber ab heute steht es fest: die letzt Zigarette ist geraucht, da kommt keine mehr nach. Die Gründe dafür sind nicht so schwer rauszufinden und der Muddi zuliebe kann ich ja auch sagen: die jahrelange Quängelei hat endlich gefruchtet (auch wenn das nur ein bisschen stimmt und sie nicht zu neuen Quängeleien anregen soll). Es ist einfach mal gut jetzt. Hätte ich noch meinen alten Job, wäre es undenkbar, nicht einmal die Stunde mit den Kollegen in den gelben Raum am Ende des Flures zu gehen und zu pausieren. Würde ich noch in der alten Wohnung wohnen, wäre drinnen rauchen erlaubt und ich müsste nicht immer vor die Tür dazu. Wäre ich nicht dauernd krank in letzter Zeit, würde ich mir denken, die paar Fluppen können so schlimm nicht sein. Aber ich bin weg und hier, dauernd erkältet und schlimmer, das muss keinen Zusammenhang haben, aber ich mag nicht mehr. So richtig bewusst aufgehört habe ich noch nie, aber ich weiß, dass es klappt und fühle mich schon jetzt, eine Stunde nach der finalen Fluppe, besser. Und erleichtert. Damit ich trotzdem kleine Pausen machen kann und dabei etwas in der Hand halte, startet zeitgleich das Projekt “Äpfel statt Zigaretten”. Das hat, wenn alles klappt, doppelten Effekt und ich kann weiterhin in regelmäßigen Abständen vor dem Haus auf der Treppe sitzen und Leute beobachten.

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Good Veins!

Das war ja klar. Nach anderthalb von drei Monaten sitze ich im Wartezimmer des Radiologischen Zentrums in New York. Ich war wegen einer Angina beim Arzt, bekam Antibiotika und dazu die Überweisung hierher, denn das was ich an meinem Hals für einen Lymphknoten hielt, war keiner. Da vorn gebe es gar keine Lymphen, da sei die Schilddrüse, das sei vielleicht etwas “Ernsteres”. Das ist ja genau das, was man gerne von seinem Arzt hört, tausende Kilometer von daheim und zwar krankenversichert, aber nur mit Vorkasse. Um mich aufzumuntern lobte die Schwester beim Blutabnehmen meine schönen und gut zu treffenden Venen, aber das wurde mir schon oft gesagt. Einige Tage später meldete sich Dr. Chueyund warf mir am Telefon englische Fachtermini um die Ohren. Ich verstand “Sonogram” und “hyperactive” und reimte mir den Rest mit der Hilfe von Dr. Google zusammen. Zuerst klang es okay, nämlich nach Schilddrüsenüberfunktion. Da gibt es Pillen, in einigen Fällen sind aber auch OPs nötig. Aber auch ein Tumor könne sich da bilden, gern bei Frauen zwischen 20 und 40. Ich weiß nicht, wie Google-Hypochonder das aushalten, ich verdränge lieber und denke weiter klinisch positiv. Nun sitze ich also hier, zusammen mit etwa 20 anderen Patienten. Es dauere trotzdem nur 20 Minuten, sagt die Schwester. Die 300 Dollar für die Untersuchung habe ich im Vorraus bezahlt.

Nach zwei Stunden werde ich in ein kleines Zimmer gerufen. Ich solle mich obenrum freimachen und diesen blauen Kittel anziehen, sagt die Ultraschallfachkraft. Auf einem Schild am Spiegel steht, man solle sie bitte gar nicht erst nach den Ergebnissen fragen, das mache nur der behandelnde Arzt. Sie schmiert mir Glibber auf den Hals und geht mit einem Gerät drüber, das ich aus diversen Filmen kenne. Dort wird es allerdings in der Bauchregion und aus freudigerem Anlass verwendet. Ich blinzle immer mal rüber auf den Bildschirm und sehe eine runde Stelle, die grün, rot und blau leuchtet – der Knubbel. Als genug Bilder aufgenommen sind, frage ich trotz Warnung nach, was das denn nun sei an meinem Hals. “Ein Knoten”, sagt die Ultraschallfachkraft, mehr könne sie mir leider nicht mitteilen. Der Doktor werde sich bei mir melden, den Glibber könne ich mir da drüben wieder wegmachen, auf Wiedersehen. Ich laufe durch die New Yorker Sonne und habe ein bisschen Angst.

Eine Woche später hat sich Dr. Chuey noch nicht gemeldet. Ich deute das mal als gutes Zeichen, rufe aber trotzdem in der Praxis an. Er sagt, er wisse leider immer noch nicht mehr, als dass es ein Knoten sei. “Wir müssen mehr Tests machen.” Himmelherrgott, denke ich und schreibe mir auf, dass ich jetzt zum Schilddrüsenscan gehen soll, dann würden wir weitersehen. Auf die Frage, ob es nicht noch ein paar Wochen warten kann, dann sei ich wieder zuhause, antwortet er: “Lieber nicht. Wir sollten herausfinden, was das ist.” Ärzte aller Länder sind sich scheinbar einig, das Panikmachen eine gute Beigabe der Behandlung ist. Währenddessen kam ein Schreiben von der Auslandskrankenversicherung, die auf meine Frage der Kostenübernahme antwortet: “Wir zahlen für alles, was Sie vorher noch nicht hatten.” Ja gut, dann wird eben weitergetestet. Nächste Woche Donnerstag schlucke ich eine radioaktive Pille, am Freitag wird die Schilddrüse dann gescannt. Zum Glück habe ich letztens erst mit jemandem gesprochen, der genau das auch machen musste. Er bekam dann Medizin und ist jetzt wieder gesund. Ich freu mich schon.

(tbc)

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Fast wie daheim

Wochenende, Sonnenschein, Spaziergang. Und auf dem Heimweg in der Nachbarschaft liebe Menschen treffen und einen Drink trinken. Man fühlt sich fast wie zuhause hier.

Suse & Brian @ Huckleberry Bar / Grant Street, Brooklyn

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