Honig und Handtaschen

23 Jan 2012

Es ist Montagmorgen und ich sitze zuhause beim Schreibtischfrühstück, eins meiner liebsten. Ich war schon mit Elliott im Park, beim Bäcker, auf der Bank und davor habe ich den Kleiderschrank aufgeräumt. (Okay, es ist mittlerweile Vormittag) Ich habe frei und ich liebe jede Sekunde. Mit frisch angemalten orange-roten Lippen kann es draußen so grau sein, wie es will, dieser Montag ist ein guter. Bei Radio 1 läuft die beste Musik der Welt und ich suche mit Honigbrot in der Hand nach einer neuen Handtasche, denn wenn man 30 wird, dann darf man sich eine besonders schöne aussuchen, die teuer ist und erwachsen aussieht. Hab ich gehört, mach ich jetzt so.

Das Wichtigste, was ich in den letzten Tagen in den Prä-Geburtstagsüberlegungen festgestellt habe, ist, dass es weitergeht. Auch wenn man sich früher dachte: In diesem und jenen Alter will ich da und dort sein. Der Weg ist noch lange nicht vorbei. Nicht, dass ich dachte, man würde tot umfallen am 30., es ist auch gar nicht so unbedingt diese eine Zahl, für die ich soviel vorgehabt hätte, aber es gab in Gedanken immer diesen “Alles erreicht”-Punkt. Den habe ich noch lange nicht erreicht und gleichzeitig geht es mir besser geht als ich es je gehofft hätte. Ich habe zwar weder ein Auto noch eine teuere Handtasche (noch nicht), aber meinem Kopf geht es gut und dem Herzen, dem erst recht. Die Aussetzer unterwegs rechne ich mal unter “normaler Wahnsinn” ab. Dass ich jetzt die Unterlagen für die Steuererklärung raussuchen werde, an meinem freien Tag, fällt auch in diese Kategorie. Elliott hat immerhin versprochen, mir zu helfen. Geht auch sofort los, nur noch ein bisschen Frühstücksklickern und pinteresten.

Das hier lief eben bei Fearne Cotton auf Radio 1. Wieder eine Band aus Brooklyn, die es seit ungeführ fünf Minuten gibt und die es einfach weghat mit dem Drive, den Harmonien und dem Klauen bei den Großen. Friends mit “Friend Crush”:

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Es glitzert!

15 Dec 2011

Wenn ich die Wahl hätte, ich würde den ganzen Tag nur Interviews führen (sowie vor- und nachbereiten natürlich). Es ist einfach der allerbeste Teil meines Jobs, vor allem wenn sich die Gäste als absolut tolle Menschen präsentieren. Kurz vor Weihnachten kam also William Fitzsimmons reingeschneit (sorry, musste sein) und er hatte seine Gitarre dabei. Anders als auf den meisten Bildern schaute er absolut fröhlich aus dem Flanellhemd und war dazu so derart entspannt, dass ich ihn ernsthaft fragen musste, ob er wirklich auf Tour und nicht im Wellnessurlaub war die letzten Tage. Das allererste Gesprächsthema ist aber immer Elliott, so auch bei Herrn Fitzsimmons, der sofort von seiner Hundeallergie erzählte. Die ist vorallem deswegen tragisch, weil seine Eltern, beide blind, Labradore als Hilfshunde haben und er also mit ihnen aufgewachsen ist. Danach gab es noch so viel mehr zu besprechen, wir haben da mal lieber die Mikros angeschaltet für.

Das Ergebnis gibt es hier, inklusive “Beautiful Girl” unplugged im Studio (hat sich angefühlt wie nur für mich, hach).

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Freitag

28 Oct 2011

Ich liebe BBC Radio 1, vor allem am Morgen und besonders an Freitagen. Dann läuft zwischen 10 und 10:30 Uhr (deutscher Zeit) die “Golden Hour”: eine halbe Stunde Musik aus einem bestimmten Jahr. Die Hörer müssen raten, welches es ist und können die Antwort per SMS, Twitter oder Mail einsenden. Wer Glück hat, wird mit einer Nennung on Air gewürdigt. Ich habe schon gefühlte tausend mal mitgemacht, lag zu etwa 70 Prozent richtig (es ist manchmal verdammt schwierig, die Lieder den Lebensjahren richtig zuzuordnen) und habe heute zum ersten Mal eine Mail geschickt, die zwar die richtige Lösung enthielt, aber leider nicht vorgelesen wurde. Schade, weil Elliott kam natürlich auch drin vor. Aber nächsten Freitag gibt es eine neue Chance und von der heutigen Golden Hour nehme ich dieses Lied mit in den Freitag – aus dem Jahr 1998: U2 “The Sweetest Thing”. Das Video habe ich damals geliebt! (Und heute kann man damit ausgezeichnet spanisch lernen)

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Treats

07 Oct 2011

Das Leben muss mit regelmäßigen Leckerli angereichert werden. Das weiß ich schon, bevor der kleine Elliott am Sonntag hier einzieht. Das Leckerli des Tages kommt von Herrn Mayer Hawthorne!

Mit der Soulmusik und mir ist es so eine Sache, sie geht mir schnell auf den Keks. Manchmal aber auch nicht. Das hat viel mit dem Klang und Einsatz der Stimme zu tun, manche Künstler können da gar nichts dafür, dass sie mir zu viel sind. Er hier ist es nicht. Er singt hoch und tief und schnell und langsam, aber immer fluffig. Viele sagen sicher, es sei sein poppigstes Album und oh oh, jetzt verkauft er sich aber ganzschön. Mir gefällt das allerdings, auch wenn es wie so oft eine Weile gedauert hat, bis Mayer Hawthorne bei mir angekommen ist und ich deswegen gar nicht viel Vergleichsmaterial vorliegen habe. Ich freue mich also schlicht und einfach, dass genau heute sein drittes Album erscheint. “How do you do” heißt es und ich tanze die Antwort: “Fine! Thanks to you-ou-ou!”

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Klischees sind ein Quatsch, bis auf manchmal, wenn sie stimmen. Frauen zum Beispiel vergleichen sich gern mit anderen, am liebsten so, dass sie dabei verlieren. Ich habe das schon oft beobachtet, fast ausnahmslos bei sehr tollen Menschen. Ihnen geht es gut, würden sie sich selbst treffen, wären sie vermutlich neidisch auf diese Frau. Trotzdem sind sie permanent auf der Suche, so scheint es, nach Verbesserung oder zumindest Veränderung. Ich selbst dagegen habe meistens eine gesunde Zufriedenheit an den Tag gelegt, Vergleiche sind doch Quatsch (ähnlich wie Klischees) und geht es nicht sowieso eher darum, was ICH so erwarte von diesem Leben und nicht die anderen?!
Soweit so gut. Aber man ist niemals sicher, wie ich neulich gemerkt habe. BOY waren bei mir zum Interview, zwei ganz wunderbar nette Damen, die gerade mit ihrer kleinen Band ziemlich durch die Decke gehen. Als wir so darüber sprachen, fielen ihrerseits Sätze wie “Ich habe gekellnert, aber eigentlich habe ich gewartet, lange gewartet, dass das mit der Musik endlich losgeht.” Da dachte ich mir: ‘Wow! Ich bewundere Menschen, die dieses eine Ziel im Leben haben. Ich will das auch.’ Also nicht Musikerin werden (eigentlich schon, aber es reicht nicht aus, ich sehe das ein), aber diesen einen Wunsch haben, der dann in Erfüllung geht, das klingt fast schon wie im Märchen. Warum hab ich das nicht? Während ich darüber nachdenke, erzählen die Beiden weiter und sehen so glücklich aus dabei. Sie sagen, sie hätten viele Jahre gearbeitet und gehofft, sogar in ihrer Musik ging es ums Wünschen. So ist zum Beispiel der Mann in “Little Numbers” gar keiner, stattdessen geht es da um den mit Sehnsucht erwarteten Anruf von der Plattenfirma. Sie wussten immer, dass sich bald alles ändern würde, aber wann, das wussten sie nicht. Jetzt sind sie erleichtert, wie Sau, auch wenn es seitdem drunter und drüber geht mit ihrem Leben. ‘Hach, muss das schön sein, dieses Ziel zu haben und viel schöner noch, es zu erreichen,’ siniere ich wieder und ich denke es noch, als ich später mit dem Fahrrad nach Hause fahre. Und immernoch am nächsten Morgen. Und dann… dreht der beste Mann der Welt kurz durch, als ich ihm ganz bedrückt davon erzähle und dann sehe ich es selbst: Ich habe Ziele, verdammt nochmal und ich habe sogar Haken hinter Zielen, die ich mal hatte. Leider hat mich in diesen Momenten keiner interviewt dazu und gefragt, wie sich das so angefühlt hat, mit der besten Freundin die Welt zu bereisen, über den Steg im Indischen Ozean zu laufen, auf die weiße, kleine Insel zu und dann in der Hängematte zu liegen. Auch hat keiner das Mikro hingehalten als ich den Abschluss endlich hatte, nicht als ich die Menschen, die mir am Herzen liegen, in den Arm genommen habe und auch nicht, als der oben erwähnte beste Mann der Welt gesagt hat: “Ach, Scheiss drauf, lass uns knutschen!”, um hier nur ein paar Beispiele zu nennen. Ich habe sie nicht verpasst, die Momente des Glücks und der Zielerfüllung, aber ich tendiere zum Vergessen, ich dumme Nuss. Vielleicht sollte ich mich mal öfter selber fragen “Sag mal, wie war das damals? Wie hast du dich gefühlt? Wie hoch hast du geschwebt?” und dann beim Antworten lächeln, so wie BOY jetzt hier. Und ich sollte noch öfter dieses Album hören, denn ich habe es scheinbar noch nicht kapiert: “Take off your shoes now / you’ve come a long way. You’ve walked all these miles / and now you’re in the right place.”

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Too young!

29 Mar 2011

Das saßen wir also im Highline Ballroom, einem Konzertsaal in sauberem Industriechic im Meatpacking District. Ja, wir saßen, an einem Tisch, mit Kerze drauf und Besteck. Wenig später kamen Getränke und Burger dazu, Kobe-Burger wohlgemerkt. Um uns herum saßen, mit Verlaub, viele alte Männer und einige alte Frauen, die meisten um die 50. Um Punkt 20 Uhr stand Caitlin Rose auf der Bühne und fragte wie das Essen sei. Sie spielte eine halbe Stunde, die Kellnerin quatschte uns immer mal ins Konzert, dann ging das Licht an. Ich sah ein paar jüngere Menschen an den Rändern des Zuschauerraumes stehen, es waren diejenigen ohne Tisch und ohne Essen, sie waren deutlich jünger als die sitzenden und sie standen den Bedienungen im Weg herum. Ron Sexsmith spielte, die alten Männer nahmen stundenlanges Material mit ihren iPhones auf und bestellten mehr Wein. Der Mann und ich saßen – etwas, das ich mir schon bei vielen Konzerten gewünscht hatte, wir sahen und hörten gut, beide Künstler waren toll und trotzdem dachte ich die ganze Zeit: Ich bin zu jung für den Scheiss!

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Warten auf Neko

28 Feb 2011

Was tut man, wenn das Geld am Monatsende knapp wird? Auch ohne entsprechenden Ratgeber (es gibt z.Z. so viele Bücher über billiges Leben!) ist schnell klar: no Neko Case-Conzert for me. Stattdessen gönne ich mir die kostenfreie Veranstaltung im großen Buchladen am Union Square. Dort gibt es regelmäßig Gig-Lesungen, sie nennen es “Authors & Artists”: Jeweils ein Vertreter der jeweiligen Berufsgruppe findet sich für eine Stunde in der obersten Etage dieses Buchladens ein, redet mit einer Moderatorin über die eigene Arbeit, fragt auch mal den Anderen und zwischendrin liest der Autor und musiziert der Musiker. Ben Folds war schon da, zusammen mit Nick Hornby und auch Nick Zinners von den Yeah Yeah Yeahs, der ebenfalls mit Freunden ein Buch geschrieben hatte. Die Autoren und Künstler müssen sich allerdings nicht unbedingt kennen, so wie im aktuellen Fall Case/Showalter. Diese Kombination ist vor allem auf Kurzweiligkeit ausgelegt, das einzig Langweilige ist das Warten vorab, das Besetzen der guten Plätze im sich schnell füllenden Obergeschoss. Anders als bei Konzerten sitzt man dabei und ich bin mittlerweile in einem Alter, in dem ich das sehr zu schätzen weiß. Eine Angestellte des Buchladens erklärt dann die Regeln: sitzen bleiben, schön klatschen, keine Blitze – denn das Ganze wird später als Video ins Netz gestellt. Das Interview-Lesungs-Konzert scheint auf den ersten Blick genauso strukturiert abzulaufen, die Moderatorin hat einen Notenständer für ihre Fragen vor sich aufgebaut, wird dann aber zum Glück vom zum Scherzen berufenen Comedian Michael Showalter aus dem Konzept gebracht. Der war wohl mal bei MTV, hat in einigen Filmen mitgespielt und erzählt jetzt, wie er das obligatorische Buch obendrauf packte. Er wirkt fast unsympathisch, ist aber ganz lustig, genau wie die Stellen, die er aus seinem Buch “Mr. Funnypants” vorliest. Neko Case sitzt neben diesem Spaßvogel etwas zurückhaltend auf ihrem Stuhl, blinzelt in die Scheinwerfer und variiert ihre Frisur von offen zu Pferdeschwanz zu Dutt und zurück im Minutentakt. Dann darf sie auch ein bisschen erzählen, leider nur im engen Rahmen der Fragen – wie entsteht ein Song, wie lange dauert das, was inspiriert dich – blablabla. Man möchte danach noch ein Bier mit ihr trinken gehen, um ihr die viel wichtigeren Fragen zu stellen, denn Zuschauereinwürfe sind leider nicht erlaubt. Sie spielt dann vier Songs, fast ein halbes Konzert rechne ich mir aus, und wenn sie nicht vorher schüchtern sagen würde, sie könne das mit den hohen und tiefen Tönen live nicht so gut, wäre es perfekt, trotz der ekelhaften Helligkeit. Wow. Die Stunde ist dann auch schon um, man könne sich Bücher und CDs signieren lassen, ruft die Organisationsdame, dafür bitte sitzen bleiben, die Reihen würden dann nacheinander aufgerufen zum Anstellen. Ich denke kurz darüber nach, meinen iPod signieren zu lassen, überlege es mir aber anders und gehe schnurstracks vor die Tür, um eine zu rauchen. Für das kleine Bisschen Gefühl von Rock’n'Roll.

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Das ist mal ein Lebenslauf, bei dem die Interviewvorbereitung leichtfällt! Marteria aka Marten Laciny ist vor 28 Jahren in Rostock geboren und schaffte es als Teenager bis in die U17-Nationalmannschaft. Zu Besuch in New York City entdeckte ihn in diesem zarten Alter ein Modelscout, und so unterbrach Marten die Fußballkarriere um unter anderem für Hugo Boss zu arbeiten.
Und jetzt? Steht Marteria vor mir und erzählt von seinem Debütalbum “Zum Glück in die Zukunft”. Hatte Dendemann vor ein paar Wochen noch gesagt, der deutsche Hip Hop sei tot, so meint Marteria jetzt, dass man ihn mit ein paar Stromschlägen doch auch wiederbeleben könnte. Nicht umsonst wird er die “Hoffnung des deutschen Hip Hop” genannt, in einem Atemzug und Freundeskreis mit Jan Delay, Peter Fox und Miss Platnum. Wir reden über die Koikarpfenzucht, den Unterschied zwischen New York und Rostock und das Meer. Nicht im Ton: die strahlend blauen Augen dieses Ex-Models, aber achten Sie auf die unglaublich tiefe Stimme, die innendrin ein wohliges Brummen auslöst!

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Die Ironie sieht man diesem Foto leider nicht an, aber was soll’s!

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Felix und Ludwig von Polarkreis 18 erscheinen in Corporate Identity-Overalls mit weißem Schneestern auf der Brust. Sie sind nett, wie Dresdner es meistens sind, und anders als bei unserem letzten Interview erzählen sie mir größtenteils wahre Geschichten. Eine gute halbe Stunde lang geht es unter anderem um das Gefühl von Zuhause, weiße Wände im Studio und Weihnachtsmarkt-Geheimtipps. Das Album mögen die meisten Kritiker ja nicht so sehr wie die davor, aber die Jungs haben sympathischerweise keine Angst vor der Indiepolizei und verkraften Kritik auch, wenn sie ihnen von der Mama am Telefon vorgetragen wird. Ich stehe auf Pathos und Pomp und auch auf Männer, die mir Komplimente zu meinem T-Shirt machen. Nenn’ es unkritisch, ich sag’ dazu: Dresdner Gemütlichkeit.

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Damals…

22 Nov 2010

… als wir uns gegenseitig Musik brannten, damit der Andere sie genauso lieben konnte! ♥

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