“Ach wie süß, ist der reinrassig?” “Noch klein, oder?” “Isst der gerade einen Apfel?” “Wie heißt sie denn?” “Labrador?” “Der wird aber noch ganzschön groß, oder?” “Gehen Sie in die Hundeschule?” “Wo haben Sie den denn her?” “Wieviel kostet den sowas?” “Darf ich mal streicheln?” “Gehen Sie nicht arbeiten?” “Äliot?” “Ach, gibt’s die auch in braun?” “Was isst er denn da?” “Willst Du nicht mit mir nach Hause gehen?” “Darf er ein Ferrero Rocher?” “Mag er keine kleinen Kinder?”
Es ist Montagmorgen und ich sitze zuhause beim Schreibtischfrühstück, eins meiner liebsten. Ich war schon mit Elliott im Park, beim Bäcker, auf der Bank und davor habe ich den Kleiderschrank aufgeräumt. (Okay, es ist mittlerweile Vormittag) Ich habe frei und ich liebe jede Sekunde. Mit frisch angemalten orange-roten Lippen kann es draußen so grau sein, wie es will, dieser Montag ist ein guter. Bei Radio 1 läuft die beste Musik der Welt und ich suche mit Honigbrot in der Hand nach einer neuen Handtasche, denn wenn man 30 wird, dann darf man sich eine besonders schöne aussuchen, die teuer ist und erwachsen aussieht. Hab ich gehört, mach ich jetzt so.
Das Wichtigste, was ich in den letzten Tagen in den Prä-Geburtstagsüberlegungen festgestellt habe, ist, dass es weitergeht. Auch wenn man sich früher dachte: In diesem und jenen Alter will ich da und dort sein. Der Weg ist noch lange nicht vorbei. Nicht, dass ich dachte, man würde tot umfallen am 30., es ist auch gar nicht so unbedingt diese eine Zahl, für die ich soviel vorgehabt hätte, aber es gab in Gedanken immer diesen “Alles erreicht”-Punkt. Den habe ich noch lange nicht erreicht und gleichzeitig geht es mir besser geht als ich es je gehofft hätte. Ich habe zwar weder ein Auto noch eine teuere Handtasche (noch nicht), aber meinem Kopf geht es gut und dem Herzen, dem erst recht. Die Aussetzer unterwegs rechne ich mal unter “normaler Wahnsinn” ab. Dass ich jetzt die Unterlagen für die Steuererklärung raussuchen werde, an meinem freien Tag, fällt auch in diese Kategorie. Elliott hat immerhin versprochen, mir zu helfen. Geht auch sofort los, nur noch ein bisschen Frühstücksklickern und pinteresten.
Das hier lief eben bei Fearne Cotton auf Radio 1. Wieder eine Band aus Brooklyn, die es seit ungeführ fünf Minuten gibt und die es einfach weghat mit dem Drive, den Harmonien und dem Klauen bei den Großen. Friends mit “Friend Crush”:
Man könnte sagen: “Es war das beste Jahr von allen!”, aber das wäre ungerecht. Es gab beste Jahre davor, allerdings war schon lange keines so vollgepackt mit neuen, guten Sachen wie dieses.
Ich habe einen Job gekündigt und es nie bereut. Ich bin nach New York gegangen, habe dort tief durchgeatmet und bin dann, mit Anlauf, zurückgesprungen, in eine neue Spur. Ich habe eine weitere neue Stadt kennengelernt und mich mit jedem Monat wohler gefühlt. Ich habe eine bezahlbare Wohnung für null Euro Provision gefunden und freue mich noch heute. Ich habe beruflich neu angefangen, und mich ein wenig mehr zuhause gefühlt. Ich habe den besten Mann der Welt mit jedem Tag mehr geliebt. Ich habe die Sonne genossen, den Regen auch und alles dazwischen. Ich habe im Herzen Platz gemacht für ein kuschliges Hundekissen. Ich bin spazieren gegangen, habe still gesessen und mich manchmal sogar daran gewöhnt. Ich habe Lavendel gepflanzt, der bis in den Dezember hinein geblüht hat und auf dem jetzt Schnee liegt. Ich habe Besuch bekommen, bin rumgefahren und ich habe mich immer über mein Zuhause gefreut, das ich fünf von zwölf Monaten nicht hatte und dessen Wert ich mehr denn je zu schätzen weiß. Ich habe viel Eis gegessen, Yoga geturnt und meine Manikürekünste perfektioniert.
Ich bin für dieses Jahr sehr dankbar, alles lief so wunderbar glatt, dass ich mich darauf freue und gespannt bin, wie die Rutschpartie weitergeht. Ich bin ein paar Zentimeter gewachsen und exakt 12 Monate älter geworden. Danke 2011, du warst wunderbar!
Ines und Dan heiraten. In Las Vegas. Am 31. Dezember. Als wäre das nicht schon spektakulär genug, werden sie und Elvis dabei von einer Kamera gefilmt, die diese Bilder direkt ins Netz beamen wird. Leider bin ich nicht dabei, aber ich habe ihnen etwas mitgegeben.
Something old, something new,
Something borrowed, something blue,
And a silver sixpence in her shoe.
Erst von München nach Hamburg, dann nach Las Vegas: vier kleine Präsente für die Braut und eins für den Bräutigam. Natürlich ist mir das mit dem Foto machen erst eingefallen, als das Paket gepackt war.
Was ich also Silvester mache? Ich habe bezaubernde Gäste und schalte um genau 23:30 Uhr den Livestream ein, damit wir ein bisschen weinen können vor Rührung und Liebe und Glück. Guter Plan.
Wenn ich die Wahl hätte, ich würde den ganzen Tag nur Interviews führen (sowie vor- und nachbereiten natürlich). Es ist einfach der allerbeste Teil meines Jobs, vor allem wenn sich die Gäste als absolut tolle Menschen präsentieren. Kurz vor Weihnachten kam also William Fitzsimmons reingeschneit (sorry, musste sein) und er hatte seine Gitarre dabei. Anders als auf den meisten Bildern schaute er absolut fröhlich aus dem Flanellhemd und war dazu so derart entspannt, dass ich ihn ernsthaft fragen musste, ob er wirklich auf Tour und nicht im Wellnessurlaub war die letzten Tage. Das allererste Gesprächsthema ist aber immer Elliott, so auch bei Herrn Fitzsimmons, der sofort von seiner Hundeallergie erzählte. Die ist vorallem deswegen tragisch, weil seine Eltern, beide blind, Labradore als Hilfshunde haben und er also mit ihnen aufgewachsen ist. Danach gab es noch so viel mehr zu besprechen, wir haben da mal lieber die Mikros angeschaltet für.
Das Ergebnis gibt es hier, inklusive “Beautiful Girl” unplugged im Studio (hat sich angefühlt wie nur für mich, hach).
Erst halte ich der Muddi Vorträge darüber, wie einfach ich alle Geschenke im Netz bestellen werde und deshalb diesem Wahnsinn in richtigen Geschäften entgehe, und dann schlendere ich durch die Innenstadt, null Stress, sehe schöne Dinge in den hübschesten Geschäften, kaufe fast nebenbei für die Allerliebsten ein und esse Zimtschnecken in Cupcakeform. Ach München, du bist überhaupt nicht teuer und auch gar nicht spießig oder schickimicki, jedenfalls nicht für mich. Jeder sollte übrigens mal den Popup-Laden des Kaufhauskollektiv besuchen, in den Stachuspassagen und da ganz viel einkaufen. Alles ist von Münchnern handgemacht und fast alles wunderschön. Aus persönlichen Sympathien würde ich ja ausschließlich Taschen und Schals von Franziska Klee kaufen, aber das muss jeder selber wissen. Die ersten Geschenke sind also gebunkert und wie zur Belohnung warten zuhause Paketchen auf mich, mit Gestricktem, Gebackenem und Geklautem. Hach, zweiter Advent, ich mag Dich.
Das Glück ist ein warmes Heizungsrohr, das direkt durchs Badezimmer führt. Es ist immer warm, egal, ob man daran gedacht hat oder nicht. Es funkelt nicht so hell, das Glück im November, vielleicht liegt es am Nebel. Es sieht aus, als hätte jemand einen Filter drübergelegt, irgendwas mit Weichzeichner und einer Spur Orange. Es ist die meiste Zeit gemütlich und der kleine Hund potenziert es noch, ungefähr um die Zahl seiner klitzekleinen, hellbraunen Wimpern. Die Wohnung ist eine Höhle, in die wir uns jeden Abend aufs Neue verkriechen und aus der wir morgens mit einem großen Stups hinausgeworfen werden müssen. Draußen war es viel länger schön als normal, immer wieder kam ein Wochenende, das warm und sonnig war und immer wieder dachte man: “Ah, das ist jetzt wohl das letzte schöne Wochenende bevor das graue Gemisch aus Herbst und Winter kommt.” Und nie war es das, immer kam die Sonne nochmal raus und trotzdem brauchte ich plötzlich die richtig dicken Sachen aus den Kisten mit dem Schneestern drauf. Das letzte Mal lief ich in dieser Jacke durch New York und für die neue Stadt kaufe ich diese hier. Seit Elliott da ist, ist der Stress weniger geworden oder ich beachte ihn nicht mehr, vielleicht beides. Die Tage sind so kurz die Nächte so lang, dass ich noch mehr als sowieso schon schlafen möchte.
Früher war der November unser Reisemonat. Katharina und ich flogen in die Welt hinaus und wir fühlten uns verdammt clever, das in diesem grauen, kalten Monat zu tun. Wer fährt schon im Sommer in die Ferien? Wir flogen weg, als draußen die Blätter noch bunt an den Bäumen hingen und kamen erst wieder, wenn die Weihnachtsdeko stand. Zwischendrin: Palmen, Tempel, Pyramiden, Hitze, Meer, Fremde und die beste Freundin, überall auf der Welt. Auch wenn ich die Fotoalben nie fertig geklebt habe, selbst das von vor acht Jahren nicht, denke ich so oft daran und erzähle es immer wieder, wie eine alte Frau. Apropos: Stricken, auch so ein kleines Novemberglück, genau wie die Aussicht auf Dezember – den funkelnsten Monat überhaupt.
Ich liebe BBC Radio 1, vor allem am Morgen und besonders an Freitagen. Dann läuft zwischen 10 und 10:30 Uhr (deutscher Zeit) die “Golden Hour”: eine halbe Stunde Musik aus einem bestimmten Jahr. Die Hörer müssen raten, welches es ist und können die Antwort per SMS, Twitter oder Mail einsenden. Wer Glück hat, wird mit einer Nennung on Air gewürdigt. Ich habe schon gefühlte tausend mal mitgemacht, lag zu etwa 70 Prozent richtig (es ist manchmal verdammt schwierig, die Lieder den Lebensjahren richtig zuzuordnen) und habe heute zum ersten Mal eine Mail geschickt, die zwar die richtige Lösung enthielt, aber leider nicht vorgelesen wurde. Schade, weil Elliott kam natürlich auch drin vor. Aber nächsten Freitag gibt es eine neue Chance und von der heutigen Golden Hour nehme ich dieses Lied mit in den Freitag – aus dem Jahr 1998: U2 “The Sweetest Thing”. Das Video habe ich damals geliebt! (Und heute kann man damit ausgezeichnet spanisch lernen)
Schon nach wenigen Tagen lässt sich festhalten: Elliott ist der beste Hund der Welt, er wird jeden Tag schöner und ist zudem hyperintelligent. Wie eine verrückte Mutter mache ich ständig Bilder von diesem kleinen Glück und seiner Großartigkeit entsprechend, haben die jetzt ihren eigenen Platz: The Daily Elliott
Und wer hat gesagt, dass die Liebe nachlässt? Dass sie weniger wird mit den Monaten, dass man sich daran gewöhnt und nicht selten sogar langweilt. Wer ist der Meinung, dass es okay ist, drei bis sechs Monate wahnsinnig verliebt zu sein und danach geht das Leben dann weiter wie vorher, nur eben mit Anhang? Wer macht das so und ist glücklich damit? Ist es auch okay, wenn die Liebe jeden Tag mehr wird? Passiert das anderen auch, dass drei Tage ohne den anderen sich anfühlen wie Monate und Stunden sind wie Tage? Stimmt es, dass sich Otterpärchen beim Schlafen an den kleinen Pfötchen halten? Ist es kitschig, wenn wir es wie die Otter machen? Nicht nur beim Schlafen, nicht nur beim Zusammensein, sondern immer?