Es glitzert!

15 Dec 2011

Wenn ich die Wahl hätte, ich würde den ganzen Tag nur Interviews führen (sowie vor- und nachbereiten natürlich). Es ist einfach der allerbeste Teil meines Jobs, vor allem wenn sich die Gäste als absolut tolle Menschen präsentieren. Kurz vor Weihnachten kam also William Fitzsimmons reingeschneit (sorry, musste sein) und er hatte seine Gitarre dabei. Anders als auf den meisten Bildern schaute er absolut fröhlich aus dem Flanellhemd und war dazu so derart entspannt, dass ich ihn ernsthaft fragen musste, ob er wirklich auf Tour und nicht im Wellnessurlaub war die letzten Tage. Das allererste Gesprächsthema ist aber immer Elliott, so auch bei Herrn Fitzsimmons, der sofort von seiner Hundeallergie erzählte. Die ist vorallem deswegen tragisch, weil seine Eltern, beide blind, Labradore als Hilfshunde haben und er also mit ihnen aufgewachsen ist. Danach gab es noch so viel mehr zu besprechen, wir haben da mal lieber die Mikros angeschaltet für.

Das Ergebnis gibt es hier, inklusive “Beautiful Girl” unplugged im Studio (hat sich angefühlt wie nur für mich, hach).

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Querverweis

14 Feb 2011

Na, das fängt doch ganz gut an mit dem freien Arbeiten. Heute ist auf jetzt.de mein Interview mit Josh Johnson erschienen, er tourt durch die USA, macht Fotos nur mit dem iPhone und trifft unterwegs ganz viele Leute, die er bisher nur aus dem Netz kennt. Ich finde, das sollte man öfter machen und bin dann in New York dabei.

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Das ist mal ein Lebenslauf, bei dem die Interviewvorbereitung leichtfällt! Marteria aka Marten Laciny ist vor 28 Jahren in Rostock geboren und schaffte es als Teenager bis in die U17-Nationalmannschaft. Zu Besuch in New York City entdeckte ihn in diesem zarten Alter ein Modelscout, und so unterbrach Marten die Fußballkarriere um unter anderem für Hugo Boss zu arbeiten.
Und jetzt? Steht Marteria vor mir und erzählt von seinem Debütalbum “Zum Glück in die Zukunft”. Hatte Dendemann vor ein paar Wochen noch gesagt, der deutsche Hip Hop sei tot, so meint Marteria jetzt, dass man ihn mit ein paar Stromschlägen doch auch wiederbeleben könnte. Nicht umsonst wird er die “Hoffnung des deutschen Hip Hop” genannt, in einem Atemzug und Freundeskreis mit Jan Delay, Peter Fox und Miss Platnum. Wir reden über die Koikarpfenzucht, den Unterschied zwischen New York und Rostock und das Meer. Nicht im Ton: die strahlend blauen Augen dieses Ex-Models, aber achten Sie auf die unglaublich tiefe Stimme, die innendrin ein wohliges Brummen auslöst!

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Die Ironie sieht man diesem Foto leider nicht an, aber was soll’s!

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Felix und Ludwig von Polarkreis 18 erscheinen in Corporate Identity-Overalls mit weißem Schneestern auf der Brust. Sie sind nett, wie Dresdner es meistens sind, und anders als bei unserem letzten Interview erzählen sie mir größtenteils wahre Geschichten. Eine gute halbe Stunde lang geht es unter anderem um das Gefühl von Zuhause, weiße Wände im Studio und Weihnachtsmarkt-Geheimtipps. Das Album mögen die meisten Kritiker ja nicht so sehr wie die davor, aber die Jungs haben sympathischerweise keine Angst vor der Indiepolizei und verkraften Kritik auch, wenn sie ihnen von der Mama am Telefon vorgetragen wird. Ich stehe auf Pathos und Pomp und auch auf Männer, die mir Komplimente zu meinem T-Shirt machen. Nenn’ es unkritisch, ich sag’ dazu: Dresdner Gemütlichkeit.

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Two to Toulouse!

16 Nov 2010

Philipp Poisel hat einen kleinen Sprachfehler. Schlecht für ein langes Radiointerview, denk’ ich mir vorher, soll immerhin über eine knappe Stunde gehen. Poisel klingt auf früheren Interviewaufnahmen wie ein Franzose, der deutsch spricht, den Mund dabei ungern öffnet und den Kopf dabei gesenkt. Unschön (fürs Radio).
Dann stellt sich heraus, dass er gar kein Französisch kann. Der Sprachfehler ist nicht so schlimm, weil man sich auf das konzentriert, was er sagt. Er klingt unglaublich sympathisch, lacht viel und denkt dann wieder sehr lange über seine Antworten nach. Er spricht in mit vielen “Äh”s und Pausen versetzten Sätzen und sagt so schöne und interessante Sachen, dass es wirklich egal ist, wie er sie sagt.
Kurz: Mit Herrn Poisel lassen sich nicht nur alte Witze aus dem Englischunterricht aufwärmen. Wir reden übers Unglücklichverliebtsein und darüber, wie schwierig es ist Beziehung und Freiheit zu verbinden, dann natürlich noch über Musik und Reisen und und und… Und am Ende nimmt er trotz widrigster Studiotechnik (stimmenfreundlich, gitarrenfeindlich) einen herzzereißenden Unplugged-Song auf. Alles drin, alles drauf, hier:

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La Barcelonetta

24 Oct 2010

Anfang Oktober in Leipzig, 8 Grad und Herbst. In Barcelona dagegen riecht die Luft noch nach Sommer, das Meer ist angenehm warm und die Sonne scheint, wie sich das gehört. Leider ist es kein Urlaub, sondern eine Mischung aus Arbeit, Babysitten und Reiseleiten. Zwischendrin nur Zeit für ein paar Schnappschüsse von dieser wundervollen Stadt am Meer. Und das Versprechen auf jeden Fall noch einmal für ein bisschen Urlaub wieder zu kommen, am besten im Oktober.

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Es sind die Tage vor dem Start der Fußball-WM und gleichzeitig die ersten richtig heißen in diesem Sommer. Roger (2. vr) und Cajus (2. vl) sind stellvertretend für ihre Band Blumentopf in Deutschland unterwegs um das neue Album “Wir” anzupreisen. Im Studio sind Beide trotz Promotourstress extrem entspannt und gut gelaunt. Sie reden von Michael Ballack, ihrem neuen Hobby Wandern und verraten dann auch noch das Geheimnis, wie man in München seine Traumwohnung bekommt.

Nun ist die WM zwar vorbei, Roger und Cajus (und mir) zuzuhören macht aber immernoch großen Spaß!

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Ende März 2010.

Er hat sein neues Album im Auto gehört. Deswegen will er keine Kopfhörer – seine Stimme hat er ja lange genug auf den Ohren gehabt. Er steht da wie dem Promo-Foto entsprungen – mit Jeansweste, Pornobalken und Röhrenjeans. Er nimmt sich einen Kaffee und ist bereit.

Dendemann zu interviewen könnte anstrengend werden. Immerhin hat er den deutschen Hip Hop quasi miterfunden, weiß Bescheid, kennt sich aus und gibt sich durch erwähnte Kostümierungen ein bisschen unnahbar. Dann aber redet er los. Erzählt mit einer wunderbar tiefen und ruhigen Stimme vom schlimmen Stil der Jugend (schrecklich), vom deutschen Hip Hop (der im Urlaub ist) und prahlt mit TV-Serienwissen (Willy Tenners Schwiegermutter ist die Mutter von Ben Stiller). Stichworte reichen und man könnte ihm ewig zuhören, und nicken und sagen: “Jajaja!”. Und wie immer ist viel zu wenig Zeit.

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Die Frau von der Plattenfirma rief an und fragte, ob ich denn schon das Album gehört hätte. Morgen würde sie ja mit diesem neuen Künstler vorbeikommen und da wäre es doch sehr wichtig. Vor allem weil da es letztens erst dieses Interview gegeben hätte, welches so schrecklich lief – weil die Fragende das Album nicht gehört hätte. Es ist neu, das Plattenfirmen solche Anrufe machen, aber ich kann mir gut vorstellen, was sie dazu treibt. Es gibt ja kaum noch gute Interviews im Mainstreamradio. Viel öfter müssen die armen Musiker durchs halbe Land fahren, und im Stundentakt dumme und fünf Minuten vorher zusammengeklatschte Fragen beantworten. Am besten so, dass es am Ende noch irgendeinen Sinn macht und das heißt, auf dämliche und einfallslose Fragen so zu antworten als wären es die besten der Welt. Denn es gibt ja leider solche Promotouren zum neuen Album, zur Tour, zum Schnittchen essen. Die Radiosender füllen damit ihr Programm, geben dem Hörer einen Anschein von Glamour und der Musiker verkauft im besten Fall ein paar Alben mehr.

Den Hörer fragt nämlich keiner. Den interessiert das ja vielleicht gar nicht, dass der Druck bei diesem neuen Album nun wirklich nicht so groß gewesen wäre. Das letzte wäre zwar Platz 1 in den Charts gewesen, aber hey, alles locker. Die Plattenfirma sei diesmal auch wieder total cool gewesen, man habe sich ausprobieren können….jaja, blabla. Solche Interviews braucht kein Mensch, da will man doch lieber wieder Musik hören. Nun arbeite ich nicht bei einem Mainstreamsender, um zu investigieren und den Musikern am Mikro dunkle Geheimnisse zu entlocken. Erstens gibt es da meistens nichts, traurig aber wahr. Und zweitens gebe mich sowieso mit weniger zufrieden. Ich will einfach nur, dass wir uns gut unterhalten und dass sich das dann jemand anhört ohne sich nach dem nächsten Titel zu sehnen. Dass es wie ein belauschtes Gespräch in der Straßenbahn ist, bei dem man sich gerne ein Stück nach vorne lehnt, um besser hören zu können. Und bei dem man am Ende etwas weiß über denjenigen, den man da belauscht hat, abgesehen vom Albumtitel und seinen Tourdaten.

Heute war also dieses Interview, vor dem die Frau von der Plattenfirma gestern so viel Angst gehabt hatte. Und es lief prächtig. Der zu interviewende Herr und ich, wir redeten über eine halbe Stunde über seine Mutter, die Sonne im Herzen und darüber, wie das ist im Leben auf die Nase zu fallen und wieder aufzustehen. Wir haben gequatscht, obwohl ich Reggae nicht mag. Ich habe fast alle meine vorher bereitgelegten Fragen gestellt, er ist losgeworden, wo man ihn im Internet findet und wie sein neues Album heißt, aber eher so nebenbei. So wie solche Informationen eben in Gesprächen am Rande fallen. Das hat ihm gefallen, so wie es allen vorher gefallen hat. Weil man eben auch angenehme Interviews aus Promo-Terminen machen kann. Alles in allem ist das Ergebnis nicht Pulitzerpreisverdächtig, aber ich hoffe, dass diejenigen, die es hören, gut unterhalten sein werden. Obwohl sie den Typen nicht kennen, und obwohl ich sein Album vorher nicht gehört habe.

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