Archive of ‘BEMERKENSWERTES’ category

Narzissmus

Sarah_Jessica_Parker_A_Little_Hyper-Aware_-_Comedians_In_Cars_Getting_Coffee_by_Jerry_Seinfeld

“You want your kids to experience what you experienced as a child? Right there, that’s narcissism!”

Sagt Jerry Seinfeld zu Sarah Jessica Parker, die darüber herzlich lacht. Aber stimmt das denn? Wenn ich anderen Leuten genau das zeigen will, was ich selbst so schön fand, auf Reisen oder als Buch oder Musik, Kinder jetzt mal weggelassen, die hab ich nicht, ist das dann Narzissmus?

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Geschwisterfilm: The Skeleton Twins

Filmfest München 2014In München ist gerade Filmfest, überall hängen die hübschen Plakate und liegen rote Teppiche. Ich hatte am Rande ein bisschen was damit zu tun als ich beim filmtonart moderiert und mir viele interessante Panels zur Filmmusik angehört habe. Die Videos dazu sollen bald noch auf br.de landen.

Filmfest also mit einem Riesenprogramm, das zu durchwühlen ich bisher noch nicht in der Laune war. Zum Glück gibt es die Arbeit und da wurde mir heute dieser Film hier vorgestellt, vom Regisseur Craig Johnson persönlich: “The Skeleton Twins”. Es geht um Zwillinge, die sich seit zehn Jahren nicht gesprochen haben, zur gleichen Zeit versuchen sich umzubringen und um alles, was danach mit und zwischen ihnen passiert. Als Teil eines Geschwisterduos kann ich mir vorstellen, dass es sehr emotional und anstrengend und toll und fürchterlich werden könnte.

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First Kiss

Egal, wo man heute im Netz hinsah, überall teilte jemand dieses Video hier: “First Kiss”, eine Kunst-Aktion von Tatia Pllieva. Zwei sich bis vor wenigen Minuten noch fremde Menschen stehen voreinander, kichern verlegen und sollen sich küssen. Das passiert dann auch und alle fanden es ganz zauberhaft.

Ich eher nicht so.

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“Das wird keine Fortsetzung von Gisbert” – Interview mit Fabian Hinrichs zum neuen Franken-Tatort

Früher habe ich viel Tatort geguckt, heute noch so ab und zu. Das habe ich schonmal mit Fabian Hinrichs gemein, dem neuen Kommissar für Franken. Außerdem mögen wir beide die Mentalität der Brandenburger nicht und können ähnlich schlecht fränkisch. Allerdings habe ich keine Facebook-Gruppe, die meine Rückkehr forderte, nachdem ich einmal beim München-Tatort mitgespielt hatte, er schon: “Wir wollen Gisbert Engelhardt zurück”. Das hat fast geklappt, denn so anders wolle er seine Komissar-Rolle dann auch nicht angehen, auch wenn es natürlich kein zweiter Gisbert werden soll.

Das und noch viel mehr haben Fabian Hinrichs in meiner Mittwochssendung bei PULS besprochen. Viiiel mehr, es kam direkt Kritik vom Chef, das sei alles sogar zu viel gewesen. Aber Kritik danach ist immer gut, dann ist es nämlich zum Glück eh zu spät. Schön war’s, Gisb- äh- Fabian.

 

 

Das (viel zu lange) Interview hier zum Nachhören:

Bild: Bert Spangemacher

 

 

Und ein Teil hier zum Nachlesen (abgetippt von der fleißigen Kollegin Tina für PULS):

Fabian, du wirst das, wovon wahrscheinlich viele deutsche Schauspieler träumen – Tatort-Kommissar. Freust du dich?

Ja, ich hab mich schon sehr gefreut, als die mich gefragt haben.

Du wirst Hauptkommissar Konrad Wagner. Aber viele Zuschauer erinnern sich noch sehr gut an dich aus nem anderem, dem Münchner Tatort. Da durftest du den beiden Ermittlern Batic und Leitmayr als Gisbert Engelhardt auf die Nerven gehen. Zumindest eine Folge lang. Dann wurdest du auch schon wieder ermordet. Danach haben tausende Fans protestiert: “Wir wollen Gisbert Engelhardt zurück“ – die Gruppe gibt’s immer noch bei Facebook. Bist du auch Mitglied?

Nee, nee, nee. Ich bin eh nicht wirklich bei Facebook.

Wie hast du damals die Reaktionen auf deine Rolle erlebt – du hast ja nur einmal mitgespielt und alle haben sich total gefreut…?

Na ja, also erstmal hab ich’s gar nicht erlebt, ich war nämlich nicht in Deutschland, sondern in Asien. Fünf Wochen lang. Als ich wiederkam, war das schon relativ abgeebbt. Weil wenn ich verreise, hab ich meistens weder Telefon noch Internet oder sonst so was.

Aber danach hast du’s mitbekommen?

Ja klar, dann kamen auch Interviewanfragen und so. Mich freut das natürlich, das war ja auch was Schönes und es ist wirklich ein guter Film geworden. Und das ist ja auch toll, wenn man mit was sehr Gutem und nicht irgend so einem Quatsch sogenannten Erfolg hat. Wenn Leute das gut finden, macht das auch weniger einsam. Man hat ja oft so ein Einsamkeitsgefühl und das wird dann ein bisschen gemildert, wenn man merkt, dass auch andere einen ähnlichen Geschmack haben.

Glaubst du, ohne die Initiative wärst du heute Tatort-Kommissar? Wie wird man eigentlich Tatort-Kommissar?

Ach, ich hab ja viele Filme gedreht, ich denk, das kommt eher daher und nicht durch so ne Facebook-Initiative. Das ist ja mein Beruf und dadurch bin ich das jetzt. Wäre ich nicht Tatort-Kommissar, würde ich jetzt andere Filme machen. Aber ich freu mich, dass das so ist, weil man da langfristig was entwickeln kann, was ja immer seltener wird. Außerdem machen da jede Menge tolle Leute mit – vom Regisseur über die Kameraleute und die Redaktion.

Die Tatort-Fans freuen sich auf jeden Fall, obwohl du nicht als Gisbert Engelhardt zurückkommst, sondern als neuer Kommissar. Kannst du schon was über deine Figur verraten? Was für eine Art Ermittler wird Konrad Wagner sein?

Schauspieler Fabian Hinrichs | Bild: Bert Spangemacher/ http://spangemacher.com/
Ich glaub jetzt nicht, dass Schauspielen so was ist wie ein Kochrezept, dass man da was reintut, bisschen davon, bisschen hiervon und raus kommt dann der Charakter. Es gibt Leute die das so machen, aber ich bin da nicht so, deswegen steckt immer ein bisschen was von mir in dem Charakter. Das heißt jetzt natürlich nicht, dass ich so bin wie der Gisbert Engelhardt, das wär dann wieder der falsche Schluss. Es wird auf jeden Fall anders, weil das ja ein sehr spezieller Film war und eine sehr spezielle Rolle. Also so viel kann ich sagen: Das wird auf keinen Fall eine Fortsetzung von Gisbert.

Manche Tatort-Ermittler sind ja so ein bisschen klamaukig. Was ist dir lieber: der Münsteraner Klamauk oder die Brachial-Action wie bei Nick Tschiller alias Till Schweiger?

Puh, das ist ja eher Geschmacksfrage. Ich möchte jetzt nicht unbedingt den neuen Schmunzelkommissar hinzufügen. Nur in brachialer Action seh ich mich jetzt auch nicht. Wenn es jetzt schon um Referenzen geht: Ich find zum Beispielen den österreichischen Tatort mit dem Krassnitzer sehr gut, mir gefällt auch der Polizeiruf mit Matthias Brandt. Aber die sind ja auch sehr unterschiedlich und die könnte man jetzt auch nicht klassifizieren als Actionfilme oder Schmunzelkommissare. Ich mag aber auch die Münchner Kommissare. Die machen ja auch oft was zum Schmunzeln, aber eben authentisch und gut. Das heißt, das ist kein Konzept. Sondern das tragen diese beiden Persönlichkeiten und natürlich gute Autoren, gute Regisseure. Aber das ist kein Konzept, das man irgendwo draufpfropft. Und das ist auch viel tragfähiger.

Was machst du Sonntagabend immer – ich höre so raus, du bist Tatort-Fan oder verfolgst das auf jeden Fall?

Also früher hab ich Tatort geschaut, danach ne ganze Weile gar nicht, als ich selber Schauspieler wurde. Aber meine Freundin schaut das sehr gerne. Sie hat mit Schauspiel und Theater gar nichts zu tun. Und dadurch hab ich vor etwas längerer Zeit selbst wieder abgefangen, das zu schauen. Ich kenn auch Punkmusiker, deren Konstante die Tagesschau, die Sportschau und der Tatort sind. Und leider gibt es ja nur noch wenige Konstanten im Leben und deswegen find ich das eine sehr, sehr gute Einrichtung.

Hat sich deine Freundin noch mal neu in die verliebt, als sie gehört hat, dass du jetzt neuer Tatort-Kommissar bist, wenn sie doch so ein großer Fan ist?

Nee, sie ist kein Fan, überhaupt nicht. Ich weiß auch gar nicht, ob sie’s nicht nur zum Berieseln schaut. Aber nein, das hat damit überhaupt nichts zu tun.

Aber sie ist stolz auf dich?

Weiß ich auch nicht genau. Vielleicht. Sie liebt mich hoffentlich für das, was ich bin. Auch wenn ich Bauarbeiter wär oder Physikprofessor. Andersrum ist’s auf jeden Fall so. Und deswegen freut sie sich wahrscheinlich, wenn ich mich freu. Und ich freu mich ja. Deswegen freut sie sich wahrscheinlich.

Wir freuen uns auch alle. Vielen Dank für das Gespräch, Fabian!

 

 

Die Woche der Knaller-Musikvideos!

Warum auch immer gerade jetzt, im November: In dieser Woche schwirren gleich drei Videos durchs Netz, die etwas Besonderes sind. Und da soll noch mal einer sagen, das Genre ist tot!

dylanBob Dylan – Like a Rolling Stone

Videos von Bob Dylan waren bisher meistens Konzertmitschnitte, wenn es überhaupt eins gab. Ganz ehrlich ist uns der alte Singer/Songwriter-Hase nur einem mit einem tollen Video aufgefallen: als er Schilder hielt zum Subterranean Homesick Blues. Hatte er auch nicht nötig.

Jetzt kommt aber ein großes Best Of raus (Hallo Jahresende!) und dazu hat er beschlossen, den Klassiker “Like a Rolling Stone” endlich mal mit einem Video zu versehen. Es ist interaktiv und so ziemlich das Coolste: video.bobdylan.com/desktop.html. Man klickt sich durch ein Dutzend Kanäle durch und von Sportmoderator bis Reality TV-Tussi singen alle Bob Dylan.

 

happyPharell Williams – 24 Hours of Happy

Dieser Typ macht es nicht ohne Superlativ. Tadaaa: Das erste 24-Stunden-Video der Welt. 24 Hours of Happy

Woodkid freut sich: “COME ON ! My first job as Creative Director for Pharrell Williams, directed by my boys We are from LA ! WORLD’S FIRST 24 HOURS MUSIC VIDEO !”

Und ich freu mich auch, dieses Video macht genau das, was es verspricht – happy. Die 24 Stunden würde ich jetzt nicht ausreizen, aber neben ein paar Stars haben sich auch niedliche Kinder, Jogger und Tänzer versammelt, sie laufen jeweils irgendwo lang, bewegen ihre Lippen und tanzen, was die meisten richtig gut können.

 

Arcade Fire – Afterlife

Nach dem großartigen Roman Coppola-Teaser-Video zum neuen Album kommen die Reflektors jetzt mit einem Kurzfilm für die neue Single um die Ecke. Bedrückend, ein bisschen traurig, aber mit sowas wie einem Happy End.

Danke Woche, für diese Videos!

Nachtschichten, die sich lohnen

Zweimal im Monat habe ich Nachtschicht. 22 Uhr geht’s los, ab 1 Uhr bin ich on air. Undankbar nennen sie diese Schicht, mitten in der Nacht, keiner außer mir im Studio und auch nicht drumherum, 5 Uhr Feierabend, der Tag also gelaufen, usw. Ich denke mir, zweimal im Monat geht das schon, nehme aufputschenden Tee mit und freue mich auf vier Stunden machen-was-ich-will. Und die Hörer sind in ihrer Großartigkeit sowieso nie zu unterschätzen.

Heute Nacht hat sich durch Zufall ein kleiner Contest entwickelt: “Wer hört am Weitesten von München entfernt zu?” Ging los mit einer Mail aus Kalifornien und führte zu vielen mehr von überall, wirklich überall auf der Welt. Da saßen sie am Frühstückstisch in Seoul und hörten zu und grüßten, da machten sie in Vancouver gerade Feierabend. Es war vielleicht die schönste Sendung, die ich jemals gemacht habe, eine kleine Weltreise durch die Nacht. Am Ende gewann Neuseeland und ich sage, etwas müde: Danke Radio und danke Internet, zusammen seid ihr ein kleines Wunder!

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Lieblingslied: Angel Haze – Same Love

Das Cover des Tages aus Angel Hazes Countdown zum neuen Album, der “30 Gold Series”. Jeden Tag rappt sie über einen anderen Hip Hop-Track, Kanye war schon dran, Jay-Z auch. Immer hat sie das super gemacht. Aber heute musste ich weinen beim Hören. Es geht um sie selbst, und den Moment mit 13, in dem sie ihrer Mutter sagt, dass sie bi ist. Und ab da zieht sich mein Herz zu einem großen, traurigen Klumpen zusammen.

“Here’s to the moment that things will change!”

Ja, bitte schnell.

 

Seinfeld is back!

Die beste Show der Welt hieß so wie er, es war die “show about absolutely nothing”: Seinfeld. Vor vielen Jahren lief die letzte Folge und Jerry Seinfeld ging in Rente, irgendwie. Er tauchte hier und da mal in Talkshows, auf Bühnen und in Gastauftritten auf. Aber so richtig was Neues von IHM gab es nicht.

Wie jetzt zu erfahren ist, hat Seinfeld sich seit den 90ern viel mit Autos beschäftigt bzw. einige Modelle eingekauft. Er präsentiert sie, zusammen mit geliehenen Wagen in seiner neuen Show.

 

Comedians_In_Cars_Getting_Coffee_by_Jerry_Seinfeld

 

Dem jeweiligen Auto gehören die ersten Minuten, dann kommt ein Gast dazu und alle fahren irgendwo hin um einen Kaffee zu trinken. Der Titel der Show könnte deskriptiver nicht sein: “Comedians in Cars Getting Coffee”. Pro Folge eine Viertel Stunde, wenig bis kein Script und 1a-Unterhaltung.

Das Beste: Es gibt schon eine komplette Staffel, unter anderem mit Ricky Gervais, Alec Baldwin und Larry David. Und die zweite wird gerade Stück für Stück veröffentlicht – mit Sarah Silverman, Seth Meyers und Chris Rock. Alle Folgen sind auf der Seite comediansincarsgettingcoffee.com zu sehen, alle kostenlos, von Seinfeld selbst produziert.

Danke Internet!

 

 

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