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Wenn man Migräne hat.

Wenn ich an Migräne denke, denke ich an meine Tante. Die hatte früher öfter Migräne. Und auch wenn sie gerade keine hatte, zog sie ein freudloses Gesicht, so als würde ihr immer noch alles wehtun. Oder so als würde diese Migräne ihr alle Freude nehmen, auch wenn gerade nichts weh tut. Manchmal dachte ich auch, es könnte umgekehrt sein – dass sie ihren Kopf immer so freudlos verkrampft, dass dem am Ende nichts anderes übrig blieb als schlimme Kopfschmerzen zu entwickeln.
Heute ist mir klar: Letzteres ist großer Quatsch. Weil ich nun selbst zwei Tage im Monat mit Schlafmaske im Bett liege, Tabletten in mich reinstopfe und hoffe, dass es bitte bald zuende gehen möge. So eine Migräne vereint ja die unschönsten Dinge: hämmernde Kopfschmerzen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit. Heraus kommt unglaubliche Nutzlosigkeit und Dahindämmerung. Wer mit einer Migräne zuhause bleibt (im Durchschnitt jeder achte Deutsche), der kann weder fernsehen noch lesen noch irgendetwas angenehm kränkliches tun. Alles ist zuviel, nichts geht mehr. Als würde sich der Körper selbst betäuben und auf Stand-by stellen.
Auslöser gibt es viele: Wetterumschwung, Hormone, Alkohol und so absurde Dinge wie Käse. Grund gibt es leider nur einen: Wissenschaftler gehen davon aus, dass Migräne vererbt wird. Das Schlechte daran: Man kann nicht so richtig gesund werden, die Krankheit ist im Körper drin. Das Gute: Man kann seine Familie für das Elend verantwortlich machen, ich in meinem Fall oben genannte Tante. Viel besser macht es das allerdings auch nicht.

Juli

Getan
Zu viel im Büro und zu oft vor Ventilatoren gesessen.
Seit Jahren mal wieder ein Freibad besucht und für gut befunden.
In Muttis Garten entspannt.
Durch Berlin gelaufen.
Migräne gehabt.
Etwas für meine Rente getan. (Es sind noch 39 Jahren und 5 Monaten)
Pläne.
Eine komplette Wassermelone in fünf Sekunden verspeist.
1-Jähriges gefeiert <3
Zum ersten Mal Pediküre. Sinnlos.

Gesehen
Wie einem Fahrradfahrer genau neben mir der Reifen platzt.
Die Sterne beim Einschlafen auf dem Land.
Wie sich der Kollege bei 36 Grad ein Handtuch über die Stuhllehne hängt.

Gemerkt
Ich brauche zwei Inhalatoren (Nerd Credibility schlagartig plus 100 Prozent)
Ich bin kein 36-Grad-Celsius-Typ.
Ich will sehr bald einen eigenen Garten!
Fahrtwind ist besser als Klimaanlage.
Ich vertrage Alkohol nicht mehr ganz so gut wie noch vor ein paar Jahren.

Gefreut
Beim Konsum gibt es jetzt Club Mate.
Über Blumen in allen Farben.
Auf 2011.
Über schöne Interviews.

Gehört
Biffy Clyro
Scanners
die neue Single von Ace of Base (einmal und nie wieder)
I Blame Coco
Arcade Fire (und mitgejubelt)

Fernweh

Einfach zum Flughafen fahren, als Gepäck nur die Handtasche. Ein Ticket kaufen, für die Reise an einen Ort , dessen Namen man schon immer gut fand. Gucken, wie es da ist. Einfach so.

The Art of Interviewing

Die Frau von der Plattenfirma rief an und fragte, ob ich denn schon das Album gehört hätte. Morgen würde sie ja mit diesem neuen Künstler vorbeikommen und da wäre es doch sehr wichtig. Vor allem weil da es letztens erst dieses Interview gegeben hätte, welches so schrecklich lief – weil die Fragende das Album nicht gehört hätte. Es ist neu, das Plattenfirmen solche Anrufe machen, aber ich kann mir gut vorstellen, was sie dazu treibt. Es gibt ja kaum noch gute Interviews im Mainstreamradio. Viel öfter müssen die armen Musiker durchs halbe Land fahren, und im Stundentakt dumme und fünf Minuten vorher zusammengeklatschte Fragen beantworten. Am besten so, dass es am Ende noch irgendeinen Sinn macht und das heißt, auf dämliche und einfallslose Fragen so zu antworten als wären es die besten der Welt. Denn es gibt ja leider solche Promotouren zum neuen Album, zur Tour, zum Schnittchen essen. Die Radiosender füllen damit ihr Programm, geben dem Hörer einen Anschein von Glamour und der Musiker verkauft im besten Fall ein paar Alben mehr.

Den Hörer fragt nämlich keiner. Den interessiert das ja vielleicht gar nicht, dass der Druck bei diesem neuen Album nun wirklich nicht so groß gewesen wäre. Das letzte wäre zwar Platz 1 in den Charts gewesen, aber hey, alles locker. Die Plattenfirma sei diesmal auch wieder total cool gewesen, man habe sich ausprobieren können….jaja, blabla. Solche Interviews braucht kein Mensch, da will man doch lieber wieder Musik hören. Nun arbeite ich nicht bei einem Mainstreamsender, um zu investigieren und den Musikern am Mikro dunkle Geheimnisse zu entlocken. Erstens gibt es da meistens nichts, traurig aber wahr. Und zweitens gebe mich sowieso mit weniger zufrieden. Ich will einfach nur, dass wir uns gut unterhalten und dass sich das dann jemand anhört ohne sich nach dem nächsten Titel zu sehnen. Dass es wie ein belauschtes Gespräch in der Straßenbahn ist, bei dem man sich gerne ein Stück nach vorne lehnt, um besser hören zu können. Und bei dem man am Ende etwas weiß über denjenigen, den man da belauscht hat, abgesehen vom Albumtitel und seinen Tourdaten.

Heute war also dieses Interview, vor dem die Frau von der Plattenfirma gestern so viel Angst gehabt hatte. Und es lief prächtig. Der zu interviewende Herr und ich, wir redeten über eine halbe Stunde über seine Mutter, die Sonne im Herzen und darüber, wie das ist im Leben auf die Nase zu fallen und wieder aufzustehen. Wir haben gequatscht, obwohl ich Reggae nicht mag. Ich habe fast alle meine vorher bereitgelegten Fragen gestellt, er ist losgeworden, wo man ihn im Internet findet und wie sein neues Album heißt, aber eher so nebenbei. So wie solche Informationen eben in Gesprächen am Rande fallen. Das hat ihm gefallen, so wie es allen vorher gefallen hat. Weil man eben auch angenehme Interviews aus Promo-Terminen machen kann. Alles in allem ist das Ergebnis nicht Pulitzerpreisverdächtig, aber ich hoffe, dass diejenigen, die es hören, gut unterhalten sein werden. Obwohl sie den Typen nicht kennen, und obwohl ich sein Album vorher nicht gehört habe.

Motiv egal

Die Wohnung liegt nahe. Und sie wird zum Star der ersten Bilder. Für Abwaschen war keine Zeit mehr.

    ISO 800 / Blende 5.7 / 1/25

Zum Glück ist noch sauberes Geschirr von gestern da.

    ISO 1600 / Blende 5.7 / 1/25

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