Get a Hobby!

Keiner hat mehr ein Hobby. Das Wort allein klingt schon so 90er, dass es kaum mehr benutzt wird. Früher gab es diese eine Sache, die man gern in seiner Freizeit gemacht hat, vielleicht waren es auch zwei oder drei. Jeder hatte damals irgendein Hobby, und wenn es nur ausgedacht war.
Heute leistet man sich nicht einmal mehr das. Heute besteht die Freizeit aus Aufgaben. Irgendwas muss immer besser gemacht werden – der Körper, die Wohnung, der Intellekt, das Leben. Dabei sollte das Hobby an sich doch komplett sinnfrei sein und nichts produzieren als im schlimmsten Fall selbstgemachte Weihnachtsgeschenke. Es soll kein Geld einbringen, im Gegenteil, und es soll zu nichts gut sein außer Entspannung und Spaß.
Ich gehe mit gutem Beispiel voran, habe “Plants vs. Zombies” bereits zweimal durchgespielt, diverse inTouchs durchgeblättert, Sofakissen genäht (nur ein ganz kleines bisschen sinnvoll und teurer als kaufen) und – neu – Buntstifte gekauft. Zum Ausmalen.

Meine Meinung zu Google Streetview

Das ist das Haus in dem ich wohne. Das kann jeder sehen, der daran vorbeiläuft und von mir aus auch jeder, der im Internet unterwegs ist. Ausnahmsweise bin ich da mit Lukas Podolski mal nicht einer Meinung:

„Ich lasse mein Haus nicht zeigen. Ein bisschen Privatleben will man noch haben. Es muss nicht jeder wissen, wie ich wohne.“

Das steht heute auf der Titelseite der BILD. Und ich verstehe dieses Zitat nicht so ganz. Haben wir denn alle Lukas’ Adresse? Und wenn ja, wäre es für ihn nicht viel angenehmer, wenn sich alle das Haus im Internet angucken würden anstatt Tag und Nacht davor zu campieren und peinliche Fotos von Lukas beim Müll raustragen zu machen? Denk da nochmal drüber nach, Lukas, und alle anderen bitte auch!

Wenn man Migräne hat.

Wenn ich an Migräne denke, denke ich an meine Tante. Die hatte früher öfter Migräne. Und auch wenn sie gerade keine hatte, zog sie ein freudloses Gesicht, so als würde ihr immer noch alles wehtun. Oder so als würde diese Migräne ihr alle Freude nehmen, auch wenn gerade nichts weh tut. Manchmal dachte ich auch, es könnte umgekehrt sein – dass sie ihren Kopf immer so freudlos verkrampft, dass dem am Ende nichts anderes übrig blieb als schlimme Kopfschmerzen zu entwickeln.
Heute ist mir klar: Letzteres ist großer Quatsch. Weil ich nun selbst zwei Tage im Monat mit Schlafmaske im Bett liege, Tabletten in mich reinstopfe und hoffe, dass es bitte bald zuende gehen möge. So eine Migräne vereint ja die unschönsten Dinge: hämmernde Kopfschmerzen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit, Übelkeit. Heraus kommt unglaubliche Nutzlosigkeit und Dahindämmerung. Wer mit einer Migräne zuhause bleibt (im Durchschnitt jeder achte Deutsche), der kann weder fernsehen noch lesen noch irgendetwas angenehm kränkliches tun. Alles ist zuviel, nichts geht mehr. Als würde sich der Körper selbst betäuben und auf Stand-by stellen.
Auslöser gibt es viele: Wetterumschwung, Hormone, Alkohol und so absurde Dinge wie Käse. Grund gibt es leider nur einen: Wissenschaftler gehen davon aus, dass Migräne vererbt wird. Das Schlechte daran: Man kann nicht so richtig gesund werden, die Krankheit ist im Körper drin. Das Gute: Man kann seine Familie für das Elend verantwortlich machen, ich in meinem Fall oben genannte Tante. Viel besser macht es das allerdings auch nicht.

Juli

Getan
Zu viel im Büro und zu oft vor Ventilatoren gesessen.
Seit Jahren mal wieder ein Freibad besucht und für gut befunden.
In Muttis Garten entspannt.
Durch Berlin gelaufen.
Migräne gehabt.
Etwas für meine Rente getan. (Es sind noch 39 Jahren und 5 Monaten)
Pläne.
Eine komplette Wassermelone in fünf Sekunden verspeist.
1-Jähriges gefeiert <3
Zum ersten Mal Pediküre. Sinnlos.

Gesehen
Wie einem Fahrradfahrer genau neben mir der Reifen platzt.
Die Sterne beim Einschlafen auf dem Land.
Wie sich der Kollege bei 36 Grad ein Handtuch über die Stuhllehne hängt.

Gemerkt
Ich brauche zwei Inhalatoren (Nerd Credibility schlagartig plus 100 Prozent)
Ich bin kein 36-Grad-Celsius-Typ.
Ich will sehr bald einen eigenen Garten!
Fahrtwind ist besser als Klimaanlage.
Ich vertrage Alkohol nicht mehr ganz so gut wie noch vor ein paar Jahren.

Gefreut
Beim Konsum gibt es jetzt Club Mate.
Über Blumen in allen Farben.
Auf 2011.
Über schöne Interviews.

Gehört
Biffy Clyro
Scanners
die neue Single von Ace of Base (einmal und nie wieder)
I Blame Coco
Arcade Fire (und mitgejubelt)

Berlin

Ich mag große Städte, ich mag viele, bunte Menschen und ich mag tausend Möglichkeiten. Aber Berlin mochte ich lange Zeit überhaupt nicht. Es war mir immer zu hässlich, die Menschen immer zu bekloppt. Diesen Eindruck hatte ich als Kind und auch später als Teenager, wenn ich mit meiner besten Freundin zur Britpop-Disco nach Berlin fuhr. Die Parties waren immer toll, die Wege hin und zurück nicht. Das mag daran liegen, dass die Züge aus Dresden immer am “Zoologischen Garten” ankamen, da wo es ganz besonders hässlich und ganz besonders verrückt war. Oder daran, dass ich noch so klein und leicht zu beeindrucken war. In den letzten Jahren jedenfalls hat sich das Bild etwas gewandelt. Ich bin zu so vielen Interviews und anschließenden Konzerten gefahren, dass Berlin immer mehr dazu gehörte. Allerdings habe ich nicht wirklich einen zusammenhängenden Eindruck der Stadt. Ich weiß, wie man zum Magnet, zum Lido oder zur Columbiahalle kommt und das war es fast schon. Fast ein bisschen armselig, wenn man bedenkt, dass fast jeder Sachse diese Stadt wie seine eigene kennt, weil in Berlin einfach mehr ist und immernoch Freunde dahin ziehen wie in einem nie endenden Strom. Sollen sie doch. Ich komme lieber für ein Wochenende rum, laufe mir die Hacken wund, fahre mit dem Boot, besuche mit dem besten Mann der Welt die beste Bar der Stadt und viele Süßigkeitenläden, treffe Freunde… und entdecke immer mehr schöne Sachen in dieser hässlichen Stadt.

Knock Down These Doors

London scheint voll davon zu sein. Voller guter Musikerinnen um die 20, die alle schon gemodelt haben und dazu tausend Ideen, wie man die Musiklandschaft mal ordentlich aufmischen kann. Hier ist schon wieder so eine: Coco Sumner, Tochter von Übermusiker Sting. Hört man aber zum Glück nicht.

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