Wohnungssuche in Leipzig

Okay, die Katze ist aus dem Sack. Wir ziehen um und zwar schon bald! Von München nach Leipzig, mit Sack und Pack und Kind und Hund und unser jetziges Zuhause ist schon seit Wochen weitervermietet. Zum Glück liebe ich organisieren und planen und gehe gerade in den ganzen To Do-Listen um mich herum auf. Sogar Wohnungen suchen LIEBE ich! Aber irgendwie ist dann schon sehr aufregend, weil es doch so wichtig ist, wo wir die nächsten Jahre unseren Alltag leben werden. So wichtig! Ich nehm Euch mal mit auf Besichtigungstour, ja?

Eins ist schonmal nicht optimal: eine Wohnung in einer 450 Kilometer entfernten Stadt suchen. Puh! Ich verlasse mich also mehr oder weniger auf Immoscout und auf Empfehlungen von Freunden, die ich alle angehauen habe, die Ohren und Augen offen zu halten. Zum Glück scanne ich den Wohnungsmarkt schon seit Monaten und jetzt, wo es endlich ernst wurde, war ich sowas von bereit. Und aus München kommend, fühlt sich eh alles nach Paradies an. Was auffällt: Auch in Leipzig sind die Mieten in den letzten sieben Jahren gestiegen, aber im Vergleich zu München suche ich im absoluten Luxus. Wohnungen stehen tage-, manchmal wochenlang drin, (und sind nicht nach Minuten wieder weg, wie in München) kosten deutlich weniger als hier (keine Kunst!) und wir reden natürlich ausschließlich von saniertem Altbau statt unsaniertem 70er-Jahre-Klotz. Ich gebe also alle uns wichtigen Kritierien ein und stelle mir meine Liste mit Favoriten zusammen. Wir wollen:

  • 3 Zimmer
  • offene Küche
  • Balkon
  • Altbau
  • am liebsten mit Stuck, wenn schon denn schon
  • in den schönsten Vierteln, also Zentrum, Süden oder Westen

Hahaha, während ich das so, in München sitzend, eintippe, kommen mir die vielen Ansprüche so surreal vor! Denn in dieser Stadt hier hat man sowas nicht zu wollen, da nimmt man, was man kriegen kann, sagt fein “Danke” für jedes Loch und macht das Beste draus. Das muss ich erstmal aus meinem Kopf löschen. Die Luxussanierung bzw. der Luxusneubau macht natürlich auch vor Leipzig nicht halt und ich hätte locker ein ähnliches Mietniveau haben können, aber die Alternativen sind da und sie sind nicht schwer zu finden, Immoscout wie gesagt hat gereicht.

Meine Liste wuchs also und für den Besichtigungstag habe ich wirklich nur die Highlights rausgepickt, sonst hätten wir das an nur einem Tag niemals geschafft. Sechs Besichtigungen in sechs Stunden, sportlich, aber machbar und wenn nichts dabei gewesen wäre, dann hätte ich halt nochmal fahren müssen, der Druck war also nicht zu groß, aber schön wär’s schon, direkt was zu finden. Damit es so gut wie möglich läuft, habe ich – total münchnerisch – Mappen mit allen wichtigen Unterlagen vorbereitet, Vorvermieterbescheinigung, Gehaltsnachweise, etc. Hilft uns vielleicht. Von den sechs Terminen, alles Einzelbesichtigungen, sagt dann einer spontan ab, okay, die anderen schauen wir uns an und hätten zwei Mietverträge direkt unterschreiben können, es ist total verrückt. Makler zeigen dir hier Wohnungen, anstatt dich mit 20 anderen Bewerbern einfach durchzuschleusen und dann die Füße lecken zu lassen. Wir laufen über Noch-Baustellen, durch tanzsaalähnliche Räume und sind eigentlich nur vom Loft so richtig enttäuscht. Zaghaft fangen wir an, wieder Ansprüche zu stellen und es fühlt sich so richtig an, wieder hier zu sein, auch wenn wir keinen einzigen Freund treffen. Termine, Termine. Fast alle Wohnungen sind wirklich schön, aber es macht nicht so recht “klick”, ihr wisst schon, dieses Gefühl, wenn man in sein potentielles Zuhause tritt, egal in welchem Zustand, es macht einfach “klick”. Ich gebe trotzdem überall eine Mappe ab, man weiß ja nie und so ganz traue ich dem Braten noch nicht.

In schöner Zugspitz-Tradition hat mein Mann hier ein Foto von mir in der am krassesten mit Stuck ausgestatteten Wohnung gemacht, die ich jemals sah (ich schätze er steht eher auf Parkett)

Und dann, letzter Termin, eine Wohung, die mir schon auf dem Papier sooo gut gefallen hat. Wir kommen rein, erschöpft von dem langen Tag, das Licht wird bald weg sein, schauen uns um und bämm! Das ist sie, die wollen wir. Die Maklerin ist erstaunt, wollte uns doch gerade erst von den Vorzügen überzeugen, aber das ist sie, kein Zweifel. Nina stellt zwar fest, dass hier alles leer ist, keine Möbel, kein Besteck in der Schublade, aber ich glaube, das kriegen wir hin. Ich frage, ob ich die Balkontür mal öffnen darf – okay, lustige Geschichte an dieser Stelle: Bei einer Wohnungsbesichtigung für eine WG mit meiner lieben Freundin Viola habe ich mal einfach das Fenster in meinem späteren Zimmer geöffnet und das Ding fiel mir entgegen. Einfach so. Es gab dann großen Ärger, weil ich das wohl nicht einfach so hätte machen dürfen und Papierkram usw. Seitdem frage ich IMMER, ob ich irgendwas anfassen darf bei Besichtigungen. – Auf jeden Fall antwortete die Maklerin: “Klar, ist doch Ihre Wohnung!” Sie war für uns reserviert, es gab keine anderen Bewerber, auch keine Haken, wie ich wirklich 99-Prozentig sichergestellt habe und bämm, es war Liebe auf allen Seiten. Ich habe noch vor Ort alles ausgefüllt, was nötig war, und danach sind wir gegenüber Kuchen essen gegangen, ich brauchte so etwas ähnliches wie Schnaps, so aufgewühlt war ich und jetzt weiß ich auch warum: Weil wir da unser neues Zuhause besichtigt haben!

Eben gerade haben wir den Mietvertrag unterschrieben, ich kann Euch jetzt also offiziell alle Fotos zeigen, die ich im schummrigen Spätnachmittagslicht gemacht habe, denn es ist UNSERE Wohnung! Wer will mal schauen??

(nicht die besten Bilder, aber wie gesagt, späääter Nachmittag und große Aufregung)

Bin ich froh, dass da ne Küche drin ist! (Ich stelle mir Küchenkauf als etwa so schmerzhaft vor wie hundert Pflaster, die abgezogen werden müssen.) Jetzt wird alles ausgemessen und im Kopf habe ich eh schon alle Möbel so ungefähr zurechtgerückt. Die Schreibtische zum Beispiel kommen ins Schlafzimmer, der große Flur muss irgendwie ausgenutzt werden, vielleicht mit Kleiderschränken und der Balkon wird erst geschrubbt und dann wild bepflanzt. Ich will alle Wände streichen, die Küche grau, das Schlafzimmer in hellem beige (ich sage Alex beige, meine aber ein sehr pudriges rosé, sagt ihm nichts!) und Ninas Zimmer bekommt vielleicht ein paar lustige Punkte, wer weiß. Merkt man, wie freudig erregt ich bin? Ein bisschen? Ja, wir haben auch noch gar nicht über die Lage gesprochen! Die ist fantastisch, in einem Viertel, in dem wir beide noch nicht gewohnt haben und so voller Leben und Läden, dass ich mich sogar darauf freue, die neue Wohnung zu verlassen. Viola wohnt übrigens zehn Radminuten entfernt.

 

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