Rewatching: Dirty Dancing

Nach sicher mehr als zehn Jahren habe ich heute mal wieder Dirty Dancing geschaut. Irgendwie war ich im Gespräch mit meiner Lieblingskollegin Karo drauf gekommen, wie wir beide diesen Film so sehr mögen und wie wichtig er für uns als Kinder, als Mädchen, war. Und dann war ich mir auf einmal gar nicht mehr sicher, ob ich ihn heute noch so lieben würde wie damals, mit 8, 9, 10 oder 13 Jahren. Oh Gott, wie ich lange diese Abtreibungsszene nicht verstanden habe, mich aber auch nicht getraut habe zu fragen!

Auf jeden Fall wurde es HÖCHSTE Zeit, diesen Klassiker mal wieder zu schauen, zum (wirklich nur leicht übertriebenen) 100. Mal zwar, aber mit erwachsenen Augen – und zum ersten Mal auf englisch. So schaue ich heute alles, unsynchronisiert, aber den hier kann ich auf deutsch auswendig und ich war vorher nicht sicher, ob er mit anderen Dialogen nicht auch fremd auf mich wirken würde.

Spoiler: nein!

Und hier sind alle anderen Gedanken, die mir durch den Kopf geschwirrt sind:

Diese Musik! Schon in der ersten Szene so gut und dann geht’s immer weiter. Der DD-Soundtrack ist völlig zu recht einer der durchgenudelsten der Welt. Ich habe immernoch unglaublich Bock dazu zu tanzen, wie damals im Wohnzimmer mit meiner besten Freundin Kathleen (was die wohl macht?).

Ich liebe Pennys Silberschuhe, schon immer. Schade, dass ich so ungern auf Absätzen laufe. Neues Shoppingziel: flache Silberschuhe! (und gern auch ein paar von Babys Outfits)

Baby, hach, das ist wie eine alte Freundin wiederzusehen. Ihre Stimme ist im Original viel weniger nervig, weniger unterwürfig, eher unschuldig, am Anfang leise, dann lauter werdend, denn natürlich hat sie’s faustdick hinter den Ohren.

Die Übersetzung ist überraschend nah am Original, das war ja in den 80ern keine Selbstverständlichkeit. “Go back to your playpen, Baby!” Und: Baby sagt im Original tatsächlich “I carried a watermelon!”

Fucking Robbie liest fucking Ayn Rand!!!

Kelly Bishop! Ich wusste nie, warum sie mir bei den Gilmore Girls so vertraut war, aber natürlich, sie ist Mama Houseman!

Jennifer Grey spielt so gut, es ist eine Freude ihr auch zum x-ten Mal dabei zuzusehen. Ich mag vor allem ihre komische Seite, Stichwort Brückenszene.

Okay, ich lege mich auf ein Lieblingslied fest. Hungry Eyes! Auch weil es mich sofort zurückkatapultiert in dieses Alter, in dem erwachsen werden wie das größte Abenteuer wirkte. Was es dann ja, ganz ehrlich, auch wirklich war! Wenn auch nicht immer so romantisch, wie ich mir das damals vorgestellt hatte.

Ob ich Dirty Dancing auf deutsch oder englisch schaue ist fast wurscht, die Bilder machen den Film. Und die Musik natürlich. Dachte ich erst. Aber es ist so nicht nur schwerer mit meinen Dialogmitsprechkünsten zu glänzen, nein, diese originalen Stimmen geben dem Film dann doch eine andere Richtung. Die Überdrehtheit ist weg, dieser krasse Gegensatz zwischen lustigen und ernsten Szenen verschwimmt und “Dirty Dancing schauen” fühlt sich viel weniger nach “Mädelsabend mit Prosecco” an als mit der deutschen Synchronisation.

Alex schaut so nebenbei mit und sagt, das sei aber eindeutig ein “Mädchenfilm”. Das ist okay, denn es wird wirklich viel getanzt. Und es gibt ja solche und solche Filme für Mädchen und Frauen.

Ich fand Patrick Swayze nie so wirklich sexy. Bis auf den Moment, wo er die Autoscheibe einschlägt. Und die Szene, in der er auf dem Baumstamm sitzt und seine Geschichte erzählt.

Eh eine der schönsten Szenen: wie sie auf diesem Baumstamm tanzen und zum ersten Mal so richtig sie selbst miteinander sind.

Baby, also Francis (“wie die erste Frau im Kabinett”), war ein gutes erstes Idol für mich, stelle ich jetzt so im Nachhinein fest. Sie macht, was sie für richtig hält und den Mund auf, wenn ihr etwas nicht passt oder wenn sie sich verliebt. Trotzdem tut sie nicht so, als wäre sie besser als die anderen (was sie natürlich ist) und wie sie dann ihrem Vater die Meinung sagt, hui, das kann ich bis heute nicht so gut.

Johnny weiß das natürlich auch: “You’re not scared of anything!”

Ich würde niemals, also NIEMALS, in einen All Inclusive-Urlaub fahren. Aber zu Kellerman’s schon! Sogar einen Foxtrott-Kurs würde ich buchen.

Dieser ganze Drama-Teil war mir früher eher lästig, jetzt scheint er wichtiger und interessanter als der Rest. Auch wenn die Thematik manchmal etwas cheesy rüberkommt.

“Nobody puts Baby in the corner!” Der ganze letzte Teil ist ein Traum, perfekt von vorn bis hinten: Jede Kameraeistellung, jeder eingeschobene Satz (“I think she gets this from me!”) passt so gut, dass mir dann zum Finale wirklich die Tränen kommen. Es ist einfach so ein schönes Ende und mir gefällt auch, dass es kein “Und wenn sie nicht gestorben sind…”-Schluss ist. Time of my life, schön war’s und wir sind ja noch soooo jung, sehr realistisch.

 

Puh, das hat Spaß gemacht! Und zusammenfassend kann ich erleichtert sagen: Ja! Dirty Dancing ist immer noch und immer wieder ein Genuss und ein wirklich, wirklich guter Film!

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