How to Dog: Tipps für das Leben mit Hund

Elliott wird im Sommer sechs Jahre alt und fast genau so lange wohnt er schon bei uns. Wahnsinn! Er war unser erstes Baby (wir sprechen von ihm gern als unserem Erstgeborenen) und ist eins der niedlichsten Familienmitglieder. Und er hat mir so viel beigebracht! Auf seinem Tumblr und bei Instagram drüben werde ich öfter gefragt, ob ich dies und das empfehlen könnte und was man in den ersten Wochen mit Welpen beachten sollte. Am Anfang war ich recht ahnungslos, aber jetzt fällt mir Vieles ein, was ich beim zweiten Hund anders machen würde/werde. Und dazu Vieles, was wir uns – zum Teil hart – erarbeitet haben.

Alle Tipps sind rein subjektiv und beziehen sich auf das Leben mit einem sehr verfressenen und treudoofen Labrador.

Tipps für das Leben mit Hund

    • anschaffen: Am besten geht man natürlich ins Tierheim, ich habe mir da damals auch einen Hund angeschaut, den Zuschlag aber nicht bekommen (große Stadt! kleine Wohnung! schrecklich!). Wir haben Elliott von einem kleinen Bauernhof im Vogtland, weil wir weder Wert auf einen Stammbaum gelegt haben noch über 1000 Euro übrig hatten. Es war die beste Entscheidung, weil seine Mama ein glückliches Bauernhofleben lebte, nicht mehrmals im Jahr werfen musste und Elliott nicht wie viele Hunde aus der Zucht Knochenschäden hat. Wir haben das Inserat ganz unglamourös bei Ebay Kleinanzeigen gelesen, dort angerufen und darum gebeten, dass sie uns den hübschesten raussuchen, wir konnten vor der Abholung nicht hinfahren. Im Nachhinein war das ganz schön riskant, aber hey, sie haben genau das getan und uns den perfekten Hund rausgesucht.
    • die ersten Tage: Ich habe mir zum Kennenlernen eine Woche frei genommen und erstmal Migräne bekommen. Es war nicht leicht, wir mussten uns erstmal kennenlernen und alles war ein bisschen anders, als ich es mir vorgestellt hatte. Wir sind etwa einmal in der Stunde rausgegangen, nachts alle zwei Stunden, und haben geübt, auf die Wiese zu machen, also er. Er mochte die Leine nicht, hatte Angst vor der Küche (ha, heute unvorstellbar!) und rutschte immer von seinem Kissen, weil er so unglaublich klein war. Es war alles sehr putzig und wir haben uns langsam aneinander gewöhnt.

    • die ersten Wochen: Anders als Babys werden Hunde relativ schnell stubenrein, bei Elliott hat es etwa zwei Wochen gedauert (kleinere Missgeschicke nicht mit eingerechnet). Die Methode: Ganz oft rausgehen und tierisch durchdrehen vor Freude, wenn etwas passiert, kein Nase irgendwo reinstecken etc. Ich hatte großes Glück und konnte ihn mit zur Arbeit nehmen, lange alleine lassen wäre in dem Alter noch nicht gegangen. Er hat sich immer ziemlich schnell an Dinge gewöhnt und es hat sich für später gelohnt, dass ich ihn damals schon fast überall mit hingenommen habe, auch wenn er ein kleiner, sehr aufgeregter Welpe war und mir manchmal den letzten Nerv geraubt hat. Wir haben viel gespielt, waren beim Welpenkurs in der Hundeschule, haben das mit der Leine nach Lehrbuch geübt (Spoiler: bei Elliott das Härteste!) und ich erinnere mich an Tramfahrten von Arbeit nach Hause mit einem schlafenden Elliott im Schoß. Es war herrlich!
    • die ersten Monate: Und trotzdem würde ich den jetzigen Elliott der Welpenversion immer vorziehen. Die Tatzen machen zwar nicht mehr 50 % seines Körpers aus, aber wir kennen uns einfach so viel besser als ganz am Anfang. Das ging ziemlich schnell. Er hat begriffen, was ich meine und vor allem ich habe verstanden, wie er tickt, was gar nicht so einfach war, wenn man vorher nie mit Hunden zu tun hatte. Die Denkmuster sind etwas verschieden, um es leicht zu untertreiben. Ich habe in diesen ersten Monaten viel gelesen und manche Dingen gingen superleicht (High Five!), andere sehr schwer (locker an der Leine laufen). Ich glaube, es hat viel mit dem Charakter des Hunde zu tun und sehr viel mit der Rudeloberhauptigkeit des Frauchens und Herrchens, ich musste das auch erst lernen, war dann aber sehr gerne Alpha und habe ihm gezeigt, wo’s langgeht.
    • Erziehung: Ich habe gelernt, dass Konsequenz und positive Bestärkung das sind, was am besten funktioniert. Da ist es dann wieder wie bei den Babys, sie lernen am besten, wenn es Spaß macht und mögen Routinen. Als Lernanreiz halfen bei Elliott immer Leckerli und große Freudenausbrüche, aber vor allem Leckerli. Und wenn ich ihm das Gefühl gegeben habe, es ist schon in Ordnung, dann ist er Rolltreppe, Fahrstuhl, Bus und Auto mit mir gefahren. Im Nachhinein hätten wir von Anfang an selbstsicherer mit ihm sein sollen, wir haben uns schon manchmal auf der Nase rumtanzen lassen. Aber so ist das bei den ersten Kindern und er hat sich trotzdem ziemlich gut entwickelt.

    • Stay at home-dog: Mit dem Jobwechsel als Elliott anderthalb Jahre alt war, hatten wir ein Problem. Ich konnte ihn nicht mehr mit zur Arbeit nehmen und hielt es für verantwortungslos, ihn stundenlang alleine zu Hause zu lassen. Wir brachten ihn in eine Hundestagesstätte, die uns viel Geld kostete und nach ein paar Tagen rauswarf, weil er dauernd spielen wollte. Ha, ich lach mich immer noch kaputt und bin denen so dankbar, denn sie haben uns am Ende viel Geld gespart. Elliott blieb seitdem zuhause, 2x 4 Stunden mit einem Mittagsbesuch von mir und einer langen Spazierrunde morgens uns abends. Es funktionierte wunderbar, er wurde ruhiger und hat in der Zeit ohne uns nur geschlafen. Wir lassen immer die Jalousien etwas runter und stellen den Fernseher an (Phoenix!), damit er nicht so allein ist und ihn von draußen nicht zu viel stört. Es funktioniert einwandfrei, er ist entspannt und wir alle freuen uns, wenn wir wieder beieinander sind. Übrigens sollte man es mit der Freude beim Wiedersehen nicht übertreiben, einfach ganz normal rein und rausgehen, egal ob man mal kurz zum Müll oder für vier Stunden arbeiten geht. Kein großes Ding, das hat er schnell gelernt – und der Karottensnack beim Rausgehen hilft auch. Seit Neuestem geht er an ein paar Tagen im Monat mit Alex zur Arbeit, typisches Büro, gefällt ihm sehr gut.

    • Essen: Wir haben vom Bauernhof zwei Tüten Hundefutter mitbekommen, die haben wir erst nachgekauft, dann aber gemerkt, dass es Besseres gibt. Da Elliott niemals satt zu sein scheint, braucht er Futter mit viel Volumen, wie es im Fachsprech heißt. Wir geben ihm jetzt seit Jahren “Maxi Plain”, ein Trockenfutter von VetConcept, von dort snackt er auch gerne Rinderhautstreifen und Knusperherzen. Ja, es geht ihm gut und damit es auch so bleibt, füttern wir zwischendurch unendlich viele gesunde Leckerli: Apfel, Gurke, Karotte, Magerquark, Banane,… er liebt alles. (Hier eine Liste mit Dingen, die Hunde trotzdem nicht essen dürfen) Wenn wir unterwegs sind, kaufe ich oft eine Tüte vom Aldi (Süd) Hundefutter, eins der wenigen ohne Zuckerzusatz, es ist wirklich unglaublich, wie viele teure Marken voll damit sind.

    • Tierarzt: In München empfehlen wir Frau Dr. Hollmann in Schwabing, sie und ihr Praxispersonal sind jedes Mal so nett, machen Ausnahmen bei den Öffnungszeiten und Elliott ist so gern dort, dass er mich reinzerrt, auf den Behandlungstisch springt und sich von der Ärztin herzen lässt. Wir haben für ihn bisher keine Hundekrankenversicherung.
    • München: Wenn wir für jedes “So ein großer Hund in so einer kleinen Wohnung” einen Hundekeks kriegen würden, wären wir sehr glücklich. In Wahrheit ist es gar nicht schlimm, nicht mal komisch, wir kennen’s ja alle nicht anders. Elliott kennt alle Parks der Stadt, Grünstreifen und auch Straßenkreuzungen, Fahrradwege und Busse von innen. Ein Hund in der Stadt ist in der Erziehung vielleicht anstrengender, aber ich glaube, er ist hier genau so happy wie auf dem Land. Gott sei Dank, da kriegen uns nämlich keine zehn Pferde hin, haha! Da Einzige, was uns unsere Tierärztin geraten hat, ist Elliott kastrieren zu lassen, weil er in der Stadt einfach nicht hinterherkommen würde mit markieren und es bei den vielen Hunden in der Nachbarschaft sonst schnell frustierend werden könnte, das haben wir mit einem Jahr gemacht (kein schöner Tag) und für uns hat es gut funktioniert. Unser Münchner Lieblingspark ist der Olympiapark, ähnlich oft sind wir am Nymphenburger Kanal, durch den Elliott sehr gern schwimmt, auch noch super sind: der Nordteil vom Englischen Garten, Isar, Flaucher und Luitpoldpark.

    • Ausflüge: München ist nicht nur die perfekte Stadt für Hunde, sondern auch für Ausflüge mit ihnen. Ich nehme Elliott einfach überall mit hin, besonders gern zum Ammersee und Eibsee und all die Wälder rund um München. Baden gehen wir zu Zweit am Pullinger Weiher, da gibt es ein paar Stellen, wo er erlaubt ist. Elliott mag Autofahren, benimmt sich auch im Zug ganz gut und das mit dem neben dem Rad herlaufen geht nach ein paar Metern auch ganz gut.

    • Kinder: Ein heikles Thema, wenn es um fremde, ein sehr entspanntes, wenn es um eigene geht. Denn obwohl Elliott früher sehr gerne kleine Kinder angebellt und erschreckt hat, gab es in den letzten anderthalb Jahren noch keine auch nur annähernd brenzlige Szene mit Nina. Ihm sind kleine Menschen auf seiner Höhe immernoch etwas suspekt, mit dem Alter und mit Nina ist es aber sehr viel besser geworden. Sie ist sowieso angstfrei ihm gegenüber (kleine Hunde mag sie aber nicht) und die beiden zusammen sind einfach nur zuckersüß.

    Ich könnte noch ewig weiter erzählen, aber der Post ist schon ganzschön lang. Ihr könnt wie immer gerne alles fragen, hier in den Kommentaren oder direkt per Mail. (Ich habe gemerkt, dass Letzteres sehr viel beliebter ist. Warum eigentlich?)

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