Anderthalb Jahre

Bleibt alles anders. Auf einmal läuft und spricht sie, malt und ruft “Essen!”, macht Grimassen und rennt in der Krippe auf mich zu als wäre ich ein großes Stück Schokolade. Sie ruft “Tschuuuss!”, wenn ich zur Arbeit gehe und “Nacht!”, wenn wir sie ins Bett bringen, “Elli”, wenn sie Essen übrig hat und “Mapa”, wenn sie uns beide dringend sprechen muss. Ich habe mal eine Liste mit all ihren Wörter gemacht, weil mir immer, wenn jemand fragt, nur ein paar wenige einfallen. Und wie sie da so nebeneinander stehen, sind es ja tatsächlich die wichtigsten Dinge in ihrem Leben, da fehlt eigentlich nur noch “schlafen”. Ihre Welt ist eine glückliche, behütete und in manchen Momenten ist es so offensichtlich, wie naiv und unbefangen sie ist, wie sehr sie vertraut und welche Verantwortung wir damit haben. Langsam kommt ein bisschen Trotzigkeit durch, dann steht sie vor dem Spiegel und schaut sich beim weinen zu und passt hier und da noch die Tonart an. Und dann kommt Elliott um die Ecke und sie ist wieder abgelenkt. Und später steht sie am Balkonfenster, schaut in den Regen und redet und redet und ich verstehe kein Wort, außer, dass es sehr wichtig ist. Alles ist wichtig und erfordert höchste Konzentration, das gilt für Ostereier suchen genau wie fürs Häschen malen, Puppe aus- und wieder anziehen und Zähne putzen. Sie macht so viel nach, von dem ich gar nicht wusste, dass sie es überhaupt beobachtet hat. Sie sagt “So!”, wenn etwas geschafft ist, so wie ich und “Na!”, wenn der Schuh nicht passt, so wie ihr Papa. Und ja, neulich hat sie versucht aus der Wasserschüssel zu trinken, so wie Elli. Es ist ein großer Spaß und es wird immer besser, ständig anders, aber immer besser.

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