Supermarktblumen sind okay

Supermarktblumen - 5 Tipps | Julie Fahrenheit

Natürlich wäre es schön, jede Woche den Blumenladen leer zu kaufen – aber seien wir ehrlich – viel öfter ist es ein Bund lieblos eingetüteter Stengel von der Aldi-Kasse. Das ist nicht schlimm, weil es erstens immer auch Fair-Trade-Angebote gibt und weil zweitens auch Blumen aus dem Supermarkt mit ein paar guten Tipps zuhause gut aussehen und lange halten. 

Wenn ich mal im Lotto gewinnen sollte, dann eröffne ich einen Blumenladen! Den ganzen Tag zwischen Rosen, Lilien und Eukalyptus zu verbringen, scheint mir traumhaft und dass Menschen, die Blumen einkaufen, fast ausnahmslos gut gelaunt sind, macht diesen Job nur noch attraktiver. Ich muss es wissen, denn es war einer meiner ersten Gigs meines Berufslebens. Als Teenager zwischen 16 und 18 habe ich alle freien Wochenenden und Nachmittage im Blumenladen am Dresdner Flughafen verbracht. Damals waren in Folie gepackte einzelne Rosen en vogue, aber es gab zum Glück auch Anderes zu tun. Das verdiente Geld schien mir manchmal so einfach, dass ich ein schlechtes Gewissen hatte. Öfter durfte ich abends Blumen mit nach Hause nehmen, irgendwann sogar den Laden ganz alleine schmeißen und wenn sie da war, hat mir meine Chefin so viel beigebracht, dass “Blumenexpertin” fast als mein erster Titel zu bezeichnen ist.

Wie bekommt man also dieses trostlose Bündel Supermarkt-Blumen so hin, dass es die Wohnung eine ganze Woche lang schmückt und alle fragen: “Hatte wer Geburtstag?”

1. Kaufen

Aldi, Penny, Lidl, Rewe – fast alle haben Blumen im Angebot, dazu gibt es auch viele Gemüsestände, die günstig Schnittblumen anbieten. Die Qualität ist im Prinzip überall okay, schwankt aber je nach Wochentag und Wetter.

  • Rosen: Um zu schauen, ob sie frisch sind und zuhause nicht sofort die Köpfe hängen lassen, drücke ich sie ganz leicht am Blütenblattansatz zusammen. Ist der Kopf fest, blüht die Rose bei guter Pflege auch schön auf. Ist der Kopf weich, ist sie leider schon hinüber.
  • Lilien: kaufe ich am besten immer so, dass eine Blüte im Bund schon offen ist. So sieht man nicht nur die Farbe genauer, das ist auch ein gutes Indiz, dass auch die restlichen Knospen aufblühen.
  • Tulpen: Wenn sie so stunden- oder tagelang im Supermarkt rumstehen, ziehen Tulpen erstaunlich viel Wasser. Deswegen sollte man unbedingt schauen, ob sie noch Wasser haben oder vielleicht schon eine Weile auf dem Trockenen sitzen. Dann lieber nicht kaufen! Das gleiche gilt, wenn einzelne Blätter schon gelb oder ausgeblichen sind.

2. Anschneiden

Nie, nie, niemals dürfen die gekauften Blumen, egal ob aus dem Supermarkt, dem Blumenladen oder von der Wiese, einfach so in die Vase. Sie müssen vorher angeschnitten werden, am besten mit einem kleinen, scharfen Küchenmesser, nicht mit der Schere. Ich habe damals im Blumenladen eine Weile üben müssen, bis ich das mit dem Anschneiden drauf hatte, aber es geht fix und hat ein bisschen was von Kartoffeln schälen. Generell gilt:

  • alles mit festen Stielen (Rosen, Lilien, Hortensien, Pfingstrosen,…): schräg anschneiden
  • alles mit weichen Stielen (Tulpen, Gerbera, …): gerade anschneiden

Schräg anschneiden bedeutet, dass die Anschnittfläche vergrößert wird, so dass die Blume mehr Wasser aufnehmen kann. Wenn der Stiel in der Hand liegt, legt man das Messer etwa zwei bis drei Zentimeter über dem unteren Ende an und zieht das Messer dann nach unten und hinten. Gerade anschneiden funktioniert in der Hand oder auch auf einem Küchenbrett. Eine Besonderheit gibt es bei:

  • Sonnenblumen: Die werden leicht schräg angeschnitten und dann mit der Schnittstelle kurz in kochendes Wasser gehalten. So saugen die Blumen nicht zu viel Wasser auf und verlieren ihre Festigkeit nicht so schnell.

3. Blätter entfernen

Genau so wichtig wie das Anschneiden ist das Entfernen der Blätter am Stiel. Nicht alle natürlich, aber es dürfen keine Blätter im Wasser sein. Das ist ein bisschen Arbeit, aber nur so bleiben die Blumen richtig lange frisch. Blätter im Wasser werden nämlich braun, faulen oder schimmeln, es riecht und im schlimmsten Fall ist dann der ganze Strauß hinüber.

So hier muss es ausschauen:

Supermarktblumen 5 Tipps | Julie Fahrenheit

4. Wassertemperatur und -höhe

Dieser Punkt war meiner Chefin immer sehr wichtig: Blumen gehören nicht in eiskaltes Wasser. Es sollte immer kühl sein, aber eher in die lauwarme Richtung tendieren. Bei der Vasenfüllhöhe gibt es je nach Sorte verschiedene Regeln:

  • Rosen, Lilien, Wiesenblumen: Das Wasser steht nur ein Stück (ca. 5 cm) über den schrägen Anschnitt. Rosen mögen nicht ertränkt werden, sondern lieber ab und zu frisches Wasser.
  • Tulpen und Dahlien: brauchen richtig viel Wasser, am besten direkt bis unter den Blattansatz. Man kann ihnen fast beim Austrinken zuschauen und sollte alle 2-3 Tage nachgießen.

5. Zusätze

Ich gebe eigentlich immer das mitgelieferte Päckchen mit ins Wasser, vorallem bei Rosen. Schaden tut’s nicht, auch wenn ich noch nicht getestet habe, ob die Blumen MIT tatsächlich länger halten als OHNE. Was übrigens bei keiner Blumenart hilft: Aspirin, Traubenzucker, Kupferpfennig oder Chlorbleiche im Wasser – alles Quatsch. Wichtiger ist der Standort des Straußes: eher kühl, nicht in Zugluft und nicht in der Nähe der Obstschale.

Notfalltipp: Lassen einzelne Blumen die Köpfe hängen, haben wir im Blumenladen immer ein Blatt Zeitungspapier angefeuchtet, die Stiele komplett und relativ fest eingewickelt und dann in einer Vase in den Kühlschrank gestellt. Meistens waren sie nach nur einem Tag wieder fit.

Bonus: Blumen anordnen

Wenn alle Blätter entfernt und die Stiele angeschnitten sind, mache ich immer einen kleinen Strauß in meiner Hand, den ich dann genau so in die Vase gleiten lasse. Schaut einfach schöner aus. Dafür lege ich den ersten Stiel schräg in meine linke Hand – von links unten nach rechts oben – der zweite Stiel wird über Kreuz drüber gelegt – von links oben nach rechts unten – und der dritte schließt die Lücke und zeigt schräg nach vorn. Die Stiele werden nacheinander praktisch im Kreis gelegt, das schaut dann so wie hier unten aus (in diesem Video sieht man’s auch ganz gut).

Supermarktblumen 5 Tipps | Julie Fahrenheit

Mit etwas Geschenkband drumherum wird so ein Strauß auch fix zum Geschenk, der in schönem Papier verpackt so gar nicht mehr nach Supermarkt ausschaut.

 

Supermarktblumen 5 Tipps | Julie Fahrenheit

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