Fünf Lieblingsserien

Serien seien das neue Ding, habe ich letztens irgendwo gelesen. Auf Parties wird über Serien gesprochen als wären sie Wein, statt von Südhang spricht man nun von Originalversion und jeder versucht dem anderen, seine Neuentdeckung aufzudrängen und sich zu profilieren. Ich habe den Artikel nicht ganz verstanden, weil gute Serien doch einfach das Beste sind, was einem passieren kann und der Jackpot ist es, eine neue zu entdecken, von der es bereits drei Staffeln gibt und die man sich dann alle hintereinander weg anschauen kann. Ich gehöre zum Beispiel auch zu diesen Menschen, die schon in vielen Situationen gedacht haben “So war’s in der und der Folge von der und der Serie auch!”.

Bevor ich mich jetzt noch tiefer ins Einsiedlerklischee schreibe, hier meine aktuellen Favoriten, meistens empfohlen durch liebe ebenso suchtgefährdete Menschen.

 

1. The Good Wife

Meine Freundin Katharina hat mir sehr lange in den Ohren gelegen und irgendwann habe ich nachgegeben. Kurz vorher hatte ich die Sopranos-Folgen mit Julianna Margulies gesehen und sie so gerne angeschaut. Sie spielt die Hauptrolle in “The Good Wife”, sie ist die gute Hausfrau, gewesen jedenfalls. Alicia Florrick wurde von ihrem Mann, einem Staatsanwalt, mit einer Prostituierten betrogen. Weil er außerdem noch sein Amt missbraucht haben soll, muss er ins Gefängnis und sie zieht mit ihren zwei Teenager-Kindern in eine kleiner Wohnung und arbeitet wieder als Anwältin. Im Prinzip wird in jeder Folge ein neuer Fall gelöst und die Rahmenhandlung spinnt sich mehr oder weniger spannend über alles. Ich kann nicht genau beschreiben, warum mich diese Serie so fesselt, aber die Margulies macht etwa 80 Prozent aus. Sie spielt so gut, dass ich fast eher süchtig nach ihr als nach der Serie bin.

“The Good Wife” läuft seit 2010 auf CBS, wurde kurz auf Pro Sieben versucht und dann zu Kabel Eins verschoben. Die erste Staffel läuft aktuell auf Sixx oder kann einfach auf DVD bestellt werden.


 
2. Girls

Am Anfang war ich mir unsicher, ob ich “Girls” nun total super oder total doof finden sollte. Einerseits waren die Dialoge witzig und die Handlung realistisch, andererseits ging mir die Hauptdarstellerin Lena Dunham als Hannah tierisch auf den Keks. Nach der ersten Staffel ist es aber so, dass ich mich hier öfter wiedergefunden habe als in vielen anderen Formaten, in denen es um Frauen im weitesten Sinn gehen soll und ich mich auf Staffel 2 freue.

In Deutschland läuft die erste Staffel ab Mitte Oktober auf dem nie gehörten Sender Glitz. Unbedingt angucken und wenn es nur wegen der schönen Brooklyn-Bilder sein sollte.


 
3. Boardwalk Empire

Mafia, New Jersey, Frauen, Alkohol, Mord und Totschlag. Das gab es alles schon bei den “Sopranos”, allerdings sind die Figuren in dieser Serie hier so etwas wie die Urgroßväter von Anthony und den Jungs. “Boardwalk Empire” spielt in den 1920ern, während der Prohibition, in Atlantic City. Nucky Thompson ist Schatzmeister der Stadt und verdient an allen krummen Geschäften mit. Gespielt wird er von Steve Buscemi, Regie führt Martin Scorsese und natürlich regnete es schon Emmys, Golden Globes und weitere Preise. Ich muss mir öfter Mal ein Kissen vors Gesicht halten, Blut ist nicht so mein Ding. Aber abgesehen davon ist diese Serie absolut empfehlenswert. Wenn auch nur zu dem Zweck, eine weitere Lücke der US-Geschichte mithilfe einer Serie zu stopfen.

Staffel 1 und 2 gibt es breits auf DVD, aktuell läuft bei HBO die dritte.


 
4. Parks & Recreation

Wenn ich eine Serie entdeckt habe, dann gucke ich bis Schluss. Je mehr Staffeln vorrätig sind umso besser, warum und wozu irgendetwas aufheben. Und diese Serie hier, die war für ein paar Wochen mein Gute-Laune-Garant. Sie hat ein bisschen was von “The Office”, allerdings ohne Gemeinheiten und dafür mit der wunderbaren Amy Poehler. (Warum ist die mir vorher nie über den Bildschirm gelaufen?) Es handelt sich hier um eine Sitcom, wie es viel zu wenige gibt – mit genau meinem Humor. Die Handlung spielt in Pawnee, Indiana, genauer gesagt in der Stadtverwaltung, Abteilung “Parks & Recreation”. Die von Poehler gespielte Leslie Knope ist eine über die Maßen engagierte Angestellte dort und versucht, den Zustand der Parks und aller Menschen um sich herum zu verbessern. So viele Zitate, Orte und Ereignisse sind mittlerweile zu dem geworden, was man Insiderwitze nennen mag. Und wenn man sich dieses T-Shirt kauft, dann ist man drin im Club.

In den USA hat gerade Staffel 5 angefangen, die erste gibt es hier auf DVD.


 
5. Tremé

Tremé ist ein Stadtteil von New Orleans, der in dem die Künstler wohnen. Und um Treme, New Orleans und alles, was dort seit Hurrikan Katrina passiert, geht es in dieser Serie. Zwei der Produzenten haben schon “The Wire” miteinander umgesetzt und wie schon damals, wurden auch hier wieder ganz normale Leute als Schauspieler rekrutiert: Musiker, Polizisten, Einwohner von New Orleans. Man merkt es nicht, wie schon bei “The Wire” und trotzdem wirkt es sich auf das ganze Wesen der Serie aus. Alles wirkt sehr authentisch, die Geschichten könnten genau so passieren oder sind an reale angelehnt und man lernt viel über die tollen Menschen, die in New Orleans wohnen und die Stadt wieder aufbauen. Nebenbei gibt es beste Musik und Tipps für den eventuellen Urlaub in den Südstaaten.

Aktuell läuft die dritte Staffel, die zwei davor gibt es als Import hier zu kaufen.

1 Comment on Fünf Lieblingsserien

  1. Mighty Micksn
    November 22, 2012 at 3:44 pm (2 years ago)

    Schöner Beitrsg. Vielleicht gebe ich dem einen oder anderen Titel noch mal ne Chance. Mein absolutes Serienjuwel der letzten Jahre (neben Skins): Friday Night Lights. Diese Serie wurde zu Recht mit Preisen überschüttet ist aber bei uns völlig unter gegangen. Achtung: Lass dich nicht von Football und Texas abschrecken.

    http://www.youtube.com/watch?v=AG37AylK1_s

    Hier mal ein Auszug aus einer Hommage von Serienjunkies.de. Besser könnte ich es auch nicht beschreiben. Besitze die Komplettbox und werde sie mir demnächst nochmal in voller Pracht zu Gemüte führen:

    Als ich vor rund zwei Jahren die Pilotfolge von „Friday Night Lights“ sah, um für Serienjunkies.de® darüber zu schreiben, war ich im ersten Moment verwirrt. Ich weiß noch: Um – schon damals – zu der Erkenntnis zu kommen, dass dies ein ganz besonderes Stück Fernsehen ist, musste ich das Gesehene erst einmal eine Weile sacken lassen. „Rau, echt und einfach zum gern haben“, lautete schließlich mein Urteil. Doch die Wahrheit ist: Mit dem ungewohnten filmischen Stil konnte ich noch lange danach nicht wirklich anfreunden, die Geschichten zwischen den Charakteren wirkten auf mich das ein oder andere mal geradezu profan, und die Begeisterung für einen so gewalttätigen Sport wie Football war mir regelrecht zuwider.

    Wann genau sich meine Einstellung geändert hat? Keine Ahnung. Ich wüsste gerne die genaue Szene, um sie immer und immer wieder zu schauen.

    „FNL“ gehört zu den besten Serien, die das amerikanische Fernsehen in den letzten zehn, ach was, zwanzig Jahren hervorgebracht hat. Es ist nicht einfach nur ein TV-Drama. Wer mal Interviews mit dem begeisterten Cast gesehen und die Entwicklung der Charaktere und Storylines beobachtet hat, der weiß, dass „Lights“ kinematografische Kunst ist. Aber die Art von Kunst, die selbst Kunstbanausen nicht langweilig wird.

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