May 2012 archive

Instadesktop

Instagram ist super, aber eine typische Draußen-App. Man knipst, man schaut, man überbrückt kleine Warteeinheiten an der Kasse. Das Fotonetzwerk steht bei mir gerade weit vor Facebook und Twitter, einfach weil man mit ihm ein wenig subtiler kommuniziert. Und weil Inspirationen aus der ganzen Welt im Sekundentakt reinflattern. Und glücklicherweise gibt es auch ein paar Möglichkeiten, Instagram am Schreibtisch sitzend zu nutzen. Einerseits natürlich mit schönen Bilder der Kaffeetasse, aber auch ohne Telefon und damit Vorgesetztenfreundlich. Instagram selbst hat keinen eigenen Webauftritt und wird den als Teil von Facebook wohl auch nie bekommen.


Mit Webstagram zum Beispiel schaut man sich den eigenen Feed am Bildschirm an. Ein kurzes Login reicht und man kann wie in der App kommentieren und Herzen vergeben. Es kann gefolgt und entfolgt werden und sogar das Einrichten von RSS-Feeds ist möglich. Eigene Bilder hochladen geht nicht und besonders hübsch sieht es auch nicht aus, aber alles in allem ist Webstagram eine gute Alternative für den Desktop.

Screenshot Webstagram

Weitaus hübscher kommt Instagrid über den Browser. Hier geht es weniger ums aktiv sein, sondern ums passive Betrachten ganzer Profile. Hier beispielsweise eine schöne Übersicht aller Bilder, die ich in den letzten Tagen gemacht habe. Instagrid eignet sich ausgezeichnet zum Weiterleiten an Menschen ohne Instagram-App. Auch sie wollen den Hund oder lecker selbst gebackenen Kuchen sehen.

Screenshot Instagrid

Und weil Pinterest neuerdings das Maß aller Dinge zu sein schein, gibt es eine neue Seite, die sich an genau diesem Layout orientiert und es mit Instagram-Bildern füttert: Instadash. Funktioniert ähnlich Webstagram, sieht nur hübscher und übersichtlicher aus. Und ein Feature ist besonders super: Man kann sich alle Bilder anschauen, die man in letzter Zeit mit Herz versehen hat.

Screenshot Instadash

So geht dann auch ein Arbeitstag stilvoll und ruckzuck über die Bühne.

Das perfekte Lied… für Heimatlose.

“Ich muss ab und zu mal die Stadt wechseln, Neues sehen, entdecken, die Augen und den Kopf beschäftigen, mich einleben, zurechtfinden. Ich muss öfter mal ein neues Zuhause finden, ich kann das nicht an einem Ort,” sage ich zu meinem Bruder. “Du bist ja auch heimatlos,” stellt er fest. Alle zehn Jahre eine neue Stadt, das war immer so. Und während er niemals weggehen wird, wo er mit sechs Jahren hingezogen wurde, ist es bei mir anders. Und beides ist richtig.

Dexy’s Midnight Runners heißen jetzt nur noch Dexy’s und es hat unglaubliche 27 Jahre gedauert bis hierher. Das ist ein kleines Leben und alle sind ganz aus dem Häuschen, dass es doch noch einmal geklappt hat. Das neue Album kommt im Juni und es klingt nach früher, vor allem der Stimme Kevin Rowlands wegen, und außerdem noch nach den ganz großen, gestenreich vorgetragenen Gefühlen.

Die Lösung: Smash Book

So viel Kram und so wenig Ablagefläche. Also im Prinzip viel Ablagefläche, aber die sieht mit Blumenstrauss dekoriert viel besser aus als wenn sich darauf die Zettelchen der letzten Tage und Wochen, ach Monate sammeln. Die Pinnwand ist auch schon dicht und wenn alles zu viel ist, dann muss alles weg. Eintrittkarten – braucht kein Menschen mehr, Flyer von vorvorletzter Nacht – weg damit! Dann sieht es ganz ordentlich aus und später findet man eine Kiste von 2004. Da hat man all diese kleinen Dinge aufgehoben: Sommer in Nantes, Feist-Konzert, TGV-Ticket nach Paris… kann man auch jetzt nicht wegwerfen, bleibt in der Kiste.
Oder kommt demnächst vielleicht in eins dieser Bücher, genau wie alle neuen kleinen Zettelchen, von denen es auch acht Jahre später noch mehr als genug gibt, trotz Pinterest und trotz Facebook. Für ein Aufräumen ohne kompletten Kahlschlag und Erinnerungen, Inspiration und die kleinen, erinnungswürdigen Dinge. Hier zu bestellen.)

Das perfekte Lied… für New York-Weh

Yeasayer “Henrietta” Free Download

Mit Linie L nach Brooklyn, an der Station “Lorimer Street” aussteigen und die Treppen nach oben laufen. Kurz umschauen, ob man an der richtigen Straßenecke rausgekommen ist, noch fix eine kalte Vanilla Coke light holen und auf den Stufen vor der Haustür platznehmen. Und dann einfach dort sitzen, Passanten grüßen und Elijah und Elliott winken, die zum Fenster rausschnüffeln. Die verrückten Hunde dürfen ohne Leine nicht raus, sagt Kerri, sie würden wohl weglaufen. Die Sonne ist hinterm Block verschwunden, aber es ist noch immer warm. Menschen laufen vorbei, manche wohnen auch hier, sodass ich kurz Platz mache, damit sie vorbeikommen. Sie fragen, wie’s so geht, lachen den Hunden zu und verschwinden. Ich schaue die Straße hinunter. Wenn ich den Kopf sehr stark verrenke, kann ich die Metropolitan Avenue runter bis auf die Williamsburg Bridge sehen. Es riecht nach Sommer in der besten Stadt der Welt und ich könnte ewig hier sitzen.

Leider haben wir New York im April verlassen, gerade als es warm wurde und sich von einem Tag auf den nächsten alles ganz anders anfühlte. So, wie wenn es hier Frühling wird, man läuft nicht mehr geduckt und man nimmt sich Zeit. Die Distanzen scheinen kleiner und alles leichter. Ich will zurückkehren und auf der Stoop sitzen, vorerst bin ich aber auch auf diesem Balkon hier sehr glücklich. Er befindet sich im Erdgeschoss, fast auf Stoop-Höhe, Elliott (der Zweite) liegt neben mir und schlummert und man kann die vorbeilaufenden Menschen sehr gut grüßen von hier.

Yeasayer kommen aus Brooklyn und haben ein neues Album fertig. Ein erster Vorbote kam über den Bandverteiler und er passt wunderbar zu lauen Abenden auf Stufen, Balkonen oder Wiesen dies- und jenseits des Atlantiks. Das Album “Fragrant World” erscheint dann gerade auf den letzten Sommerdrücker, Ende August.

Und hier kostenlos zum Download.

Relaunch

Neu hier? Ja, ich auch. Aber gut schaut’s aus, oder?

Es musste mal was passieren auf juliefahrenheit.com, inhaltlich und visuell. Weg mit dem Tagebuch-Theme, das ältere Posts ins Nirvana hat verschwinden lassen – her mit dem luftig neuen Layout, mit dem ich auch heute noch mit den New York-Bildern vom letzten Jahr angeben kann. Die Kategorien sollen die Übersicht etwas erleichtern und werden sich eventuell noch ändern, mal sehen, in welche Richtung oder besser RichtungEN sich die Seite entwickelt. Denn noch immer gilt: Ich finde viel zu viele Sachen wahnsinnig interessant, als dass ich mich festlegen könnte. Story of my life, warum soll es also hier anders sein.

Die Posts sollen sich neben Persönlichem aber auch etwas öfter um die interessanten und schönen Dinge drehen, die es da draußen zu entdecken, machen, kaufen gibt. Und sie sollen häufiger kommen. Es ist nicht das erste Mal, dass ich mir das vornehme und es wäre nicht das erste Mal, dass es anders kommt. Aber versuchen darf man es ja, immer wieder. Und wo es hier jetzt auch noch so hübsch aussieht, wer weiß… wird es diesmal eventuell sogar klappen.

Date Night: Takumi

Dies ist der Beginn einer hoffentlich unendlichen Serie: Date Night. Ein Jahr München und wir waren vergleichweise selten aus. Wegen des Hundebabys vorallem, aber auch weil man erstmal ankommen und umziehen muss und dann war Winter und ach, ab sofort soll es eine Institution sein. Mindestens einmal im Monat, nur zu Zweit und am besten immer in ein anderes Lokal in dieser an Lokalen so reichen Stadt.

Erstes Date: Takumi in der Heßstraße im schönen Stadtteil Maxvorstadt. Hier gibt es Ramen und angeblich ist es das beste Restaurant für diese japanischen Suppen in ganz München. Das würde man vorallem an den vielen japanischen Gästen erkennen und so ist es dann auch. Das Takumi ist nicht sehr groß, minimalistisch gemütlich eingerichtet und an fast jedem Tisch sitzen Japaner oder Deutsche japanischen Ursprungs, das weiß man ja vom Hinschauen nicht so genau. Es riecht unglaublich gut im Takumi und deswegen will man ganz schnell bestellen und selber schlürfen, angeln und auch ein bisschen sabbern, glücklicherweise ist beim Ramenessen einiges erlaubt. Zur Vorspeise gibt es entweder gefüllte Teigtaschen oder für uns was vegetarisches – Edamame, einmal normal und einmal fritiert. Ein Traum, der auch wunderbar beruhigt.

Man muss ja etwas puhlen und tunken und zutschen, das dauert. Ich merke gerade, für ein erstes Date ist Ramen essen vielleicht nichts, zu viele Geräusche beim Essen. Am Tisch nebenan findet zwar eins statt, aber die kommen nicht so zum essen, weil er die Münchner Version des Comic Book Guy aus Springefield ist und ihr ausführlichst die Handlung von Avengers erläutert. Einen Film nacherzählen, immer gut bei ersten Dates. Nicht. Widmen wir uns aber wieder der Romantik an diesem Tisch, die trotz Essens vorhanden ist, natürlich auch gerade deswegen und die riesige Schüssel voll dampfender Misosuppe mit Nudeln, Mais, Spinat, Lauch und Butter in meinem Fall versöhnt mit allem, was dieser Tag an Grausamkeiten gar nicht imstande war bereit zu halten. Das muss ich mir merken für richtige Dreckstage oder für solche, in denen sich eine Erkältung ankündigt. Nach so einer Schüssel ist man satt, gesund und sehr zufrieden. Ein Traum! Und den Mann treff ich bald wieder auf ein Date, der ist niedlich!

Takumi, Heßstraße 71, München/Maxvorstadt, takumi-noodle.com

Individuell erwachen

Kein Geräusch ist schlimmer als das des Weckers und es ist völlig egal, welcher Ton da zu welcher Zeit eingespeichert ist. Geweckt werden ist immer doof, für mich jedenfalls und deshalb habe ich Leute noch nie verstanden, die sich von ihrem Lieblingslied oder dem Radio wecken lassen. Den Geräuschen, die meinen Schlaf unterbrechen, gebührt tiefste Abneigung und die potentiert sich mit jedem Tag. Das führt einerseits zu schlimmer Morgenmuffligkeit und dann auch noch zu kleinen Tiefs im Laufe des Tages und zwar immer, wenn irgendwo ein Telefon mit meiner Weckermelodie klingelt. Wie kann man nur? Am besten wäre es also, wenn es da jemanden gäbe, der mir jeden Tag einen neuen Ton einspeichert, am besten ganz besonders supernett verpackt und mit Musik unterlegt.

Dachte sich auch die japanische Bekleidungsfirma UNIQLO und packte eine entsprechende App auf den Markt: ‘UNIQLO WAKE UP’. Die macht sich jeden Morgen die Mühe, abhängig von Uhrzeit, Wetter und Wochentag ein Lied zu komponieren und damit weckergeplagte Menschen rund um die Welt sanfter aus dem Traumland zu holen als es sogar Mutti vermag. Komponiert wurden die einzelnen Liedteile von Keigo Oyamada aka. Cornelius, der immerhin vor drei Jahren für einen Grammy nominiert war, und Yoko Kanno. Die Musik ist minimalistisch, die Stimme eindeutig computergeneriert, aber trotzdem ganz angenehm. Einmal erwacht, schaut man jeden Tag auf eine neue Hintergrundfarbe im sowieso schon sehr geschmackvollen Design und social ist die App auch noch. Wer mag, kann sein Lied des Tages bei Facebook, Twitter oder weiteren japanischen Netzwerken teilen. “Gekauft!”, würde ich sagen, wenn die App nicht sowieso kostenlos wäre. Danke Uniqlo! (Und jetzt eröffnet bitte auch bald eine Filiale in Deutschland!)

Das perfekte Lied…. fürs Unbesiegbar sein.

Es hat auch Vorteile, mit dem Mann alle Staffeln “X Files” und “Millenium” anschauen zu müssen dürfen. Zum Einen bekomme ich so ordentlich was weggestrickt und dann ist da auch noch diese Musik. Lange vor “Grey’s Anatomy” sind die Macher ja darauf gekommen, dass sich Popmusik gut mit Geschichten in Verbindung bringen lässt und an den geeigneten Stellen perfekt ergänzt. Beide Serien sind voll davon. Und die “Millenium”-Musikbeauftragten waren scheinbar große Patti Smith-Fans, die darf nämlich öfter die düsteren Szenen unterlegen, geht es jetzt um Teufelsaustreibung oder das Ende der Welt. Und dann sitzt man da mit Shazam und staunt und fragt sich, warum verdammt man dieses Lied nicht seit seiner Geburt hört. Denn es ist älter als man selbst. Dafür hat es sich jetzt auf ewig eingenistet im Kopf und wenn ihm danach ist, drückt es auf Play und spielt sich selber immer wieder ab. Repeat rewind.

“Some strange music draws me in /
Makes me come on like some heroine”

Und bald muss ich auch sehr viel Gutes über “Just Kids” schreiben, ihre Memoiren, die Ende der 60er, Anfang der 70er in New York City spielen. Nur noch schnell zu Ende lesen.

“I Write Books. And People Say They Are for Children.”

Maurice Sendak hat “Where the Wild Things Are” geschrieben und illustriert. Und er hatte einen großartigen Sinn für Humor, unter Beweis gestellt vor einigen Wochen bei Stephen Colbert. Heute ist ein guter Tag, sich dieses Gespräch in zwei Teilen noch einmal anzuschauen. In Gedenken an Mister Sendak.

The Colbert Report Mon – Thurs 11:30pm / 10:30c
Grim Colberty Tales with Maurice Sendak Pt. 2
http://www.colbertnation.com
Colbert Report Full Episodes Political Humor & Satire Blog Video Archive

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